Lauter Uraufführungen
Herr Jöris, Ihre Inszenierung der «Winterreise» arbeitet mit zwei Stimmen (Bariton/Mezzo) und zwei Darstellern. Wie kam es zu dieser Dramaturgie und welche Ziele verfolgten Sie damit?
Es war mir freigestellt, welche Stimmfächer und wie viele Sänger bzw. Statisten ich einsetzen wollte. Je mehr ich mich mit dem Stück beschäftigte, desto mehr entwickelte sich die Konzeption: die innere Reise eines Lebenswanderers auf seinem einsamen Weg ans Lebensende.
Wobei ich versuchte, die Lieder als lebensbejahende (besetzt als Hosenrolle durch einen Mezzo) und lebensverneinende (Bariton) zu differenzieren. Der Mezzo übernahm dabei die Rolle eines Alter Ego. Dieses Prinzip zeigt sich auch in der Spielfläche, die durch ein zugefrorenes Rinnsal unterteilt ist. Die konkurrierenden Wesenszüge ein und derselben Person finden nur in bestimmten Situationen, sprich Liedern zueinander: als Erinnerung oder als Aufrütteln des Wanderers, der sich in einem Strudel der Depression und Todessehnsucht befindet. Sicher haben beim Entwickeln der Konzeption Typ und Timbre der beiden Protagonisten eine Rolle gespielt.
Welche Rolle kann eine darstellerische Beschäftigung mit Liedern im Rahmen einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Renata Tebaldi, die 82-jährig in ihrem Haus in San Marino gestorben ist, verkörperte das ästhetische Ideal der veristischen Primadonna in vollendeter Ausprägung. Der Verismo war in der italienischen Oper in den ersten drei Jahrzehnten nach dem Krieg, in denen sich Renata Tebaldis Glanzkarriere entwickelte, noch keineswegs passé und blieb für die Art etwa eines...
Wer die Repertoireoper à la Wien oder München schätzt und das Stagione-Prinzip verabscheut, braucht sich nicht länger aufzuregen: Wenn er an einem Stagione-Opernhaus eine Vorstellungsserie versäumt, kann er in der Regel die begehrte Aufführung alsbald an einem anderen Operntheater nachsitzen. Geldknappheit und Ressourcenschwund zwingen die europäischen...
Verzwickt ist diese Causa, von ridiküler Narretei nicht frei und durchaus typisch für das politisch problematische Verhältnis zweier Nationen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Und am allerwenigsten die Protagonisten selbst waren es, die den Fall «Salomé» in jenen Bereich des Zwischenmenschlichen hinabzwängten, wo man sich nur noch eines wünscht: Fiat justitia,...
