Lasst uns atmen!
Wenn der 1987 verstorbene US-amerikanische Schriftsteller James Baldwin in diesen Tagen eine Renaissance erlebt und seine Bücher wieder massenhaft gelesen werden, dann hat das einen tieferen Grund. Baldwin war der festen Überzeugung, Geschichte sei nicht Vergangenheit, sondern Gegenwart. Der alltägliche Rassismus in den Vereinigten Staaten von Amerika und auch andernorts gibt ihm Recht.
Und nicht nur auf den Straßen entäußert sich dieser Rassismus, der zur Gründung der Protestbewegung «Black Lives Matter» und weltweiten Solidaritätskundgebungen geführt hat, auch auf den Bühnen der USA ist er nach wie vor virulent. Einige schwarze Opernsängerinnen und -sänger haben dies, initiiert von der Mezzosopranistin J’Nai Bridges, zum Anlass genommen, öffentlich auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Wir dokumentieren ihre Diskussion in Auszügen
Wir alle glauben an die versöhnende Kraft der Kunst und haben unser Leben dem Ziel gewidmet, die uns allen gemeinsame Menschlichkeit zu erforschen und zu verstehen. Wir sind uns des Schmerzes und der Verbitterung bewusst, die so viele Menschen tagtäglich erfahren, vor allem in unseren schwarzen Communitys. In Kummer und Solidarität möchten wir ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Oper und Rassismus, Seite 92
von Wiebke Roloff Halsey
Die Musikkritik sieht sich heute selbstverständlich denselben Problemen gegenüber wie die von ihr besprochene Musik selbst, denn in einer formatierten Welt des like und dislike hat es der Wunsch nach Differenzierung schwer. Die Verschiebung jedweden Urteils einer unbegrenzten Anzahl von Richtern in die öffentlichen Medien hat eben nicht nur Vorteile; ein Nachteil...
Ich stehe gemeinsam mit wenigen Musikerkollegen in der fast menschenleeren Philharmonie in Berlin. Ich, Kirill Petrenko am Pult und meine geschätzten Kollegen aus den Reihen der Berliner Philharmoniker. Ich singe den vierten Satz aus Mahlers 4. Symphonie. Corona-bedingt in der Fassung für Kammerorchester vor leeren Rängen. Ich weiß: Tausende Menschen hören mir an...
Ihren Ruf als innovativstes Haus der französischen Kapitale bekräftigte die Opéra Comique in der vergangenen Spielzeit u. a. mit der Uraufführung einer Literaturoper des Sciarrino-Schülers Francesco Filidei: «L’Inondation». Den Text schrieb (nach einer Novelle Jewgeni Samjatins aus dem Jahr 1929) Joël Pommerat, einer der einflussreichsten Akteure des frankophonen...
