In sich hineinhören
Ich stehe gemeinsam mit wenigen Musikerkollegen in der fast menschenleeren Philharmonie in Berlin. Ich, Kirill Petrenko am Pult und meine geschätzten Kollegen aus den Reihen der Berliner Philharmoniker. Ich singe den vierten Satz aus Mahlers 4. Symphonie. Corona-bedingt in der Fassung für Kammerorchester vor leeren Rängen. Ich weiß: Tausende Menschen hören mir an den Radiogeräten zu, sehen mich live im Fernsehen. Meine Gedanken gehören nur der Musik, meinen Musikerkollegen, meiner Stimme. Ich konzentriere mich auf die Worte, höre in mich hinein, verleihe dem Text meinen Geist.
Meine Musikerkollegen, ich und die Musik. Ich gebe mein Bestes: Ich gebe mich.
Die Kommentare in den sozialen Netzwerken und einigen Printmedien zu meinem Kleid, zur problematischen Ausleuchtung des Auditoriums, die Fragen zu meinen nackten Füßen: Sie spielen für mich keine Rolle. Nicht in diesem Moment und auch nicht danach.
Christiane Karg war die Solistin des diesjährigen Europakonzerts der Berliner Philharmoniker. Die am Salzburger Mozarteum ausgebildete Sopranistin ist seit ihren Anfängen im Hamburger Opernstudio und Ensemble der Frankfurter Oper gleichermaßen im Musiktheater, auf dem Konzertpodium und ...
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Opernwelt Jahrbuch 2020
Rubrik: Wozu Musikkritik?, Seite 114
von Christiane Karg
Sie ist die vielleicht überwältigendste Mozart-Heroine unserer Zeit. Schrankenlos, schlackenlos, mit einem Furor in Stimme und Ausdruck, der alles hinwegpustet, was sich dieser machtvollen und unbedingten Seelenentäußerung in den Weg stellt. Sei es als Vitellia in «La clemenza di Tito» am Theater an der Wien (Foto), sei es als von Furien gejagte Elettra in...
Das macht ihr keine nach. Zum vierten Mal nach 2004, 2010 und 2015 ist Marlis Petersen zur «Sängerin des Jahres» gekürt worden, diesmal für ihre unter die Haut gehenden Lesarten von Korngolds Marietta (und Marie) in München sowie für ihre Salome am Theater an der Wien. In beiden Fällen hat die Sopranistin Rollenporträts geschaffen, die durch ihre Vielschichtigkeit,...
Als Wolfgang Amadeus Mozart 1790 zur Kaiser-Krönung Leopolds II. nach Frankfurt reiste, erhoffte er sich über die Anerkennung hinaus auch finanziellen Gewinn, doch das Ergebnis war «in betreff des Geldes mager». Und Mozart, der immerhin die Klavierkonzerte KV 459 und 573 gespielt hatte, reagierte verärgert: «Übrigens sind die Leute hier noch mehr Pfennigfuchser als...
