Langsam schwindendes Abendlicht
Als Benjamin Brittens «Billy Budd» 1951 zum ersten Mal über die Bühne ging, wurde das Stück als eine bedrückende Studie über die zerstörerische Wirkung von Gewalt empfunden. Heute, da Machttypen wie der teuflische Schiffsprofos John Claggart nach wie vor unermessliches Leid anrichten, während die Welt zuschaut, ist der Stoff der Oper unverändert aktuell. Und diese Aktualität trug maßgeblich dazu bei, dass Brittens Adaption der berühmten Seenovelle von Herman Melville zur bedeutendsten Produktion des diesjährigen Opernfestivals in Santa Fe avancierte.
«Billy Budd» stand zum ersten Mal überhaupt auf dem Programm der Festspiele, die jeden Sommer vor einer einzigartigen Wüstenkulisse stattfinden. Paul Currans Regie verriet die sichere Hand eines Mannes, der nicht nur seinen Britten kennt, sondern auch die literarische Basis des Stücks. Die von Robert Innes Hopkins gestaltete Bühne war wunderbar auf das langsam schwindende Abendlicht New Mexicos abgestimmt, der verdunkelten Szene entsprach die Tragik des Geschehens. Teddy Tahu Rhodes, ein blonder, muskulöser Hüne aus Neuseeland, war ein idealer Billy, überzeugend als naiv-unschuldiger Bursche ebenso wie als Lernender, der aus den ...
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