Langer Atem
Schon nach den ersten Takten ist klar, wer im neuen Hallenser «Don Carlo» den Ton angibt: So tonschön und ausdrucksstark ist der Klang, den der neue Chefdirigent Karl-Heinz Steffens mit seiner Staatskapelle formt, dass man ihm später kleinere Probleme wie das gelegentliche Übertönen der Sänger oder Koordinationsschwächen in den großen Chorszenen gern verzeiht. Das wird sich ohnehin bald geben, denn Steffens, der in der letzten Spielzeit noch als Soloklarinettist bei den Berliner Philharmonikern amtierte, entwickelt sich gerade im Turbotempo zum Operndirigenten.
Aus der Hauptstadt hat er offenbar auch sein Klangideal mitgebracht, das sich an Orchestern wie der Berliner Staatskapelle mit ihrem dunkel samtigen Streichertimbre, dem gedeckten Bläser-Sound und der sinfonischen Tiefenstaffelung orientiert.
Für «Don Carlo» ist das kein schlechter Ansatz – Verdis Inquisitionsdrama braucht einen langen Atem, damit neben den persönlichen Schicksalen auch eine zeitlose Dimension fühlbar wird. Die sichert Steffens auch durch eine präzise, rhythmisch agile Artikulation der kleinen Begleitfiguren in den Streichern, die so die kristalline Kantigkeit von Körnern in einer Sanduhr gewinnen. Verdis ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Clemens Brentanos Geschichte vom bösen Königssohn Jerum, der guten Hexe Fanferlieschen Schönefüßchen und allerlei buntem Volk, das auf lustige Namen wie Würgipumpa, Fräulein von Ziegesaar, Pumpilirio Holzebocke oder Herr Neuntöter hört, ist eine vertrackte, vielfach verzweigte Geschichte. Alle hängen mit allem zusammen. Wer das komplexe Beziehungsnetz begreifen...
Elina Garanca – so hat sie es jüngst in dieser Zeitschrift erklärt – möchte keine Diva sein. Als eine solche aber wird sie, in Kleidern von Escada und Schmuck von Cartier, von ihrem Platten-Label im Booklet ihrer neuesten CD präsentiert. Dem Beispiel von La Bartoli folgend konzentriert sie sich im klug komponierten Programm auf Belcanto-Opern von Rossini...
Hoch hinaus wollte er schon als ganz junger Mann. Gerade fünfzehn war Christian Jost, da drückte er am Theater seiner Heimatstadt Trier als Ballettrepetitor die Klavierbank. Damals ahnte er bereits, dass der Begleitdienst an den Tasten auf Dauer nicht sein Ding war. So wenig wie eine Medizinerkarriere, die sich die Mutter so sehr wünschte. Oder ein...
