Unter Druck
Gerard Mortier ist weg, mitsamt seinen Luftschlössern. Der Aufsichtsrat der New York City Opera habe den ihm zugesagten 60-Millionen-Dollar-Etat auf 36 Millionen gekürzt, erklärte er im November der New York Times. Wer, fragte man sich, würde unter diesen Umständen für Mortier einspringen? Am 14. Januar gab es die Antwort: George Steel (42) soll den Karren aus dem Dreck ziehen – ein Mann, der am Miller Theater der Columbia University elf Jahre lang durch ein kompromisslos eklektisches, meist höchst eigenwilliges Programm auffiel.
Eine Produktion von Iannis Xenakis’ «Oresteia» setzte dem Ganzen im Herbst 2008 die Krone auf.
Die New York City Opera hat schon einige Krisen erlebt, doch in der gegenwärtigen Saison hat sie einen absoluten Tiefpunkt erreicht. Ihr Stammhaus im Lincoln Center ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen, der Spielplan ist auf zwei konzertante Aufführungen von Samuel Barbers «Antony and Cleopatra» in der Carnegie Hall geschrumpft, mithin jenes Flops, mit dem die Metropolitan Opera 1966 ihr neues Haus (gleich gegenüber) eröffnete. Erst 1975 kam das Stück wieder auf die Bühne, an der Juilliard School, neugeordnet und mit Strichen, dafür mit einem neuen ...
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