Der Visionär

In Amsterdam schwankt Rossinis Guillaume Tell zwischen Oper und Oratorium

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Mit den letzten 42 Takten seines 1829 uraufgeführten Schwanengesangs Guillaume Tell hat Rossini die Tür in ein neues Jahrhundert aufgestoßen. Schwebende Klangflächen über harmonisch labilen Dreiklangsbrechungen evozieren nicht nur den Sonnenaufgang der Freiheit, der auf die Nacht der Tyrannei folgt, sondern auch eine ungewisse Zukunft. Bis zum erlösenden C-Dur ist alles drin: Dur und Moll.

Paolo Carignani trieb dieses von anderen Dirigenten auch schon als pompöses Geschmetter missverstandene Allegro maestoso in der Amsterdamer Neuproduktion mit dem hoch konzentrierten Niederländischen Philharmonischen Orchester durch fahles Flageolett-Spiel und ein verhaltenes Crescendo misterioso, das «forte» nicht als «laut», sondern als «stark» übersetzt, in Dimensionen der Transzendenz und Irrealität, die das ­Publikum fassungslos machten. Weder Gardellis Referenzeinspielung (1972) noch die von Pappano (2010) ließen eine ähnliche Klangkonzeption auch nur erahnen.

Mit dieser hintergründigen Apotheose trat die fast fünfstündige, in den Balletten und Szenen leicht gekürzte Aufführung, die mit der musikalisch subtil ausgeleuchteten Ouvertüre verheißungsvoll begonnen hatte, aus ihrem eigenen Rahmen. ...

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Opernwelt März 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Boris Kehrmann

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Musikalische Leitung, Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme - Solisten
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> Carmen: 16., 30.
> 3....

Musik ist eine geduldige Kunst

Die Aufführung begann um fünf nach vier am Nachmittag. Als nach dem ersten Akt der Applaus einsetzte, war es fünfundreißig Minuten nach fünf, ohne dass unsere Uhr ihren Geist aufgegeben hätte. Das ist natürlich keine präzise Zeitmessung, aber doch eine verblüffende Erkenntnis und sehr wahrscheinlich ein Rekord. Schneller ist der Gral noch nie enthüllt worden –...

«Meine Stimme hat mich gefunden»

Auf Ihrer aktuellen CD, einer Hommage an Mario Lanza, sehen Sie aus wie ein Tenor der 50er-Jahre. Auf einem Ihrer ersten Cover trugen Sie dagegen schwarzen Anzug, schwarze Krawatte, fast wie in einem italienischen Mafia-Film. Wer ist dieser Joseph Calleja eigentlich?
Wenn man das immer so genau wüsste! Ich denke, ich bin immer noch der enthusiastische Junge, 13, 14...