Der andere Hügel

An ein Festival hatte Ludwig Baumann nicht gedacht, als er 1997 eine «Zauberflöte» am See plante. Jetzt geht der Opernsommer auf Gut Immling im Chiemgau ins 20. Jahr

Opernwelt - Logo

High Heels, die auf dem Weg zum Kunstgenuss verschlammen, sind Geschichte. Ebenso Sommersakkos oder Abendkleider, die bei geschätzten 30 Grad Innentemperatur durchweichen. Mittlerweile sind auf Gut Immling die Wege gekiest und geteert, gegen sommerliche Kreislaufgefährdung hilft die Klimaanlage. Zumal die ehemalige Reithalle für Oper und Konzert ­ohnehin nicht mehr extra umgebaut und -gerüstet werden muss.

Ziemlich viele Annehmlichkeiten gibt es mittlerweile auf diesem versteckten Hügel zwischen Rosenheim und Chiemsee, von dem aus sich in den Aufführungspausen so wunderbar der Sonnenuntergang bestaunen lässt.

Das Ambiente dieser Festspiele ist demnach geblieben und ebenso ihr Chef: Ludwig Baumann, im Erstberuf Opernbariton, kann in diesem Jahr den 20. Geburtstag seines Unternehmens feiern. Eigentlich war dieses als Wiedereingliederungsmaßnahme in die Musik gedacht. 1994 stürzte Baumann bei einer Probe in den Graben der Semperoper und musste seine Karriere beenden, seitdem leidet er unter chronischen Rückenschmerzen. «Es war nie die Absicht, ein Festspiel in diesem Ausmaß anzustreben», sagt er heute. Inzwischen ist er bei neun Festivalwochen, einem Jahresetat von zwei Millionen Euro ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Spiesserglück

Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte...

EX ORIENTE: Goldmarks «Königin von Saba» aus Freiburg

Die Vergangenheit schien lange Zeit rosig. Karl Goldmarks «Königin von Saba» aus dem «Carmen»-Jahr 1875 war viele Jahre ein großer Erfolg. Dann ­geriet sie in Vergessenheit, erst allmählich kehrt sie auf die Spielpläne zurück: 2002 in Mannheim, 2015 in Freiburg. Diese letzte Produktion (siehe OW 6/2015) liegt nun auf CD vor. Während man für die Aufführungen im...

Chiaroscuro

In tiefem Dunkel liegt der Raum. Vorn schneidet eine ovale Deckenleuchte eine Höhle aus Licht in die Finsternis. Kalter Glanz fällt auf starre Schwingen, matte Glieder und gefiederte Gelenke, achtlos gehäuft: Mehr ahnt man die Vogelleichen, als das man sie erkennt. Aus dem Hügel ragt, blendend weiß, eine Menschenhand hervor.

Von hinten schiebt sich eine Phalanx...