Der andere Hügel
High Heels, die auf dem Weg zum Kunstgenuss verschlammen, sind Geschichte. Ebenso Sommersakkos oder Abendkleider, die bei geschätzten 30 Grad Innentemperatur durchweichen. Mittlerweile sind auf Gut Immling die Wege gekiest und geteert, gegen sommerliche Kreislaufgefährdung hilft die Klimaanlage. Zumal die ehemalige Reithalle für Oper und Konzert ohnehin nicht mehr extra umgebaut und -gerüstet werden muss.
Ziemlich viele Annehmlichkeiten gibt es mittlerweile auf diesem versteckten Hügel zwischen Rosenheim und Chiemsee, von dem aus sich in den Aufführungspausen so wunderbar der Sonnenuntergang bestaunen lässt.
Das Ambiente dieser Festspiele ist demnach geblieben und ebenso ihr Chef: Ludwig Baumann, im Erstberuf Opernbariton, kann in diesem Jahr den 20. Geburtstag seines Unternehmens feiern. Eigentlich war dieses als Wiedereingliederungsmaßnahme in die Musik gedacht. 1994 stürzte Baumann bei einer Probe in den Graben der Semperoper und musste seine Karriere beenden, seitdem leidet er unter chronischen Rückenschmerzen. «Es war nie die Absicht, ein Festspiel in diesem Ausmaß anzustreben», sagt er heute. Inzwischen ist er bei neun Festivalwochen, einem Jahresetat von zwei Millionen Euro ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Markus Thiel
In Bremen müsste Donizettis lyrische Tragödie «Maria Stuarda» eigentlich «Elisabetta» heißen: Anna-Sophie Mahlers Inszenierung zeichnet ein faszinierendes Psychogramm der als «jungfräuliche Königin» in die Geschichte eingegangenen englischen Monarchin. Sie zeigt sich als im politischen Alltag hart gewordene Frau, die immer wieder mit den in ihr aufbrechenden...
Die Trümmer der nächtlichen Prügelei liegen noch auf der Festwiese herum und müssen von den arg blessierten Meistern erst diskret beiseitegeräumt werden, bevor der Sängerwettstreit beginnen kann. Alle sind damit beschäftigt, die Verbände, die Pflaster und blaue Flecken zu verbergen – bis sie merken, dass die Kollegen so ramponiert sind wie sie selbst. Und wieder...
Als der Krebs ihn immer heftiger beherrschte, schrieb Claude Debussy: «Ich war dabei – oder fast dabei – ‹La Chute de la Maison Usher› zu vollenden: Die Krankheit hat meine Hoffnung ausgelöscht […] Ich finde mich schwer mit dieser Wendung meines Schicksals ab.» Auf der anderen Seite meinte er aber auch, diese Oper sei nur eine «Neuauflage des ‹Pelléas›» – mit einer...
