Fehlgeburt

Donizetti: Lucia di Lammermoor London / Royal Opera House

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Kann der Royal Opera noch Schlimmeres passieren als das Buhgebrüll, das letzten Sommer in Damiano Michielettos «Guillaume Tell» losbrach? Ja. Und zwar Gelächter. Man hatte diesmal die Abonennten vorsichtshalber gleich vor den sexuell expliziten, brutalen Szenen in Katie Mitchells Inszenierung der «Lucia di Lammermoor» gewarnt. Schon zeterten Zyniker, Covent Garden wolle die Produktion bloß vor der Premiere künstlich ins Gespräch bringen.

Mitchell und ihre Ausstatterin Vicki Mortimer ließen verlauten, sie wollten ­Donizettis Schauerstück feministisch zu Leibe ­rücken – und schon kochte die Sexismus-versalzene Diskussionssuppe über.

«Lucia» als exemplarisches Frauenschicksal zu deuten, ist ja nicht abwegig. Das Problem weiblicher Machtlosigkeit ist in diesem Stück so augenfällig wie die Besessenheit des 19. Jahrhunderts mit dem Phänomen der Hysterie. Louise Augustine Gleizes jedenfalls, jene berühmte Hysterikerin, die während der 1870er-Jahre in den Dienstagsvorlesungen des Neurologen Jean Martin Charcot am Pariser Krankenhaus Pitié-Salpêtrière vorgeführt wurde, ließ sich von den erotischen ­Gewaltfantasien der Sopranarie «Il dolce suono» gern inspirieren.

Weiberwahn als Performance: ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Anna Picard

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