Krieg und (kein) Frieden
Erinnerungen – manchmal sind sie so federleicht wie ein Schmetterling, manchmal tückisch wie ein Hinterhalt. Und nicht selten schleichen die Boten des Unbewussten, denen Marcel Proust in seinem epischen Roman «A la recherche du temps perdu» das vielleicht beeindruckendste literarische Denkmal gesetzt hat, weil er sie zur Kunstform selbst stilisierte, so heimlich, still und leise durch die Türen, dass man kaum anders kann als zu erschrecken, wenn sie plötzlich, maliziös grinsend, vor einem stehen.
Don Alvaro geschieht dies zu Beginn des Italien-Akts von Verdis «La forza del destino». Gerade haben hinter der Szene betrunkene Spieler ausgelassen und zynisch die Grausamkeit des Schicksals bespöttelt, da wird er überwältigt – zunächst von einem kleinen Klarinettenkonzert, dessen ätherisch anmutiges Thema nie wieder aus seinem Gedächtnis verschwinden wird, sodann von seinen eigenen Gefühlen. Und die sind alles andere als lieblich: «La vita è inferno all’infelice», singt Alvaro im Allegro- Rezitativ, um im darauffolgenden Allegro moderato über schwer atmenden, meist mollgetrübten Dreiklängen der Fagotte, die tieftraurige Geschichte seiner Eltern zu erzählen, bis es schließlich, die ...
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Opernwelt Januar 2025
Rubrik: Im Focus, Seite 22
von Jürgen Otten
Make love, not war!» In einer zugespitzten Weltsituation hat dieser Aufruf fast existenzielle Bedeutung. Der «Armida»-Stoff aus Torquato Tassos Epos «Das befreite Jerusalem» behauptete durch die Jahrhunderte hindurch dennoch das Gegenteil: Männliche (Kriegs-)Disziplin sei besser als erotische Verweichlichung. In Potsdam entwickelt Haydns Vertonung eine packend...
Nein, dieses Bild ist nicht bezaubernd schön, es ist be(d)rückend trist. Kaum sind die Freunde gegangen, schon klopft das Schicksal in schwer schleppenden Vierteln an die unsichtbare Tür, und man spür die ganze, große Einsamkeit eines Paars, das vermutlich längst weiß, wie die Sache enden wird. Hand in Hand, eng umschlungen, liegen Maraike Schröter als Mimì und...
In ihrer barocken Blütezeit rücken die Schöpfer von Stillleben nicht nur frische Früchte, Fische oder Blumen ins rechte Licht ihrer Ateliers. Niederländische, italienische, spanische, französische oder deutsche Meister der Malerei wählten allzu gern auch Musikinstrumente als ihren Gegenstand – mitunter in Verbindung mit kulinarischen Köstlichkeiten, deren...
