Kosmos Schubert

Auf «Winterreise» mit Mark Padmore, Bo Skovhus und dem Coco Collectief, im Salon mit Paul Armin Edelmann

Opernwelt - Logo

Es gibt nichts, was Schuberts «Winterreise» sich nicht bereits hätte gefallen lassen müssen – von Matthias Loibners naiv naturalistischer Version für Drehleier und Sopran bis zu Hans Zenders «komponierter Interpretation» für Tenor und kleines Orchester, von den zahllosen szenischen Realisierungen ganz abgesehen. Jetzt hat der Pianist Maurice Lammerts van Bueren den Zyklus für das Coco Collectief arrangiert – für wechselnde Stimmformationen vom Terzett bis zum Quintett, aber auch dialogisierend, ja kommentierend –, wobei er sich stets dicht ans Original hält.

Dass solche Verfremdungen einen neuen, überraschenden Blick aufs Original werfen, haben unterschiedlich besetzte Ensembles wie die Swingle Singers, die King’s Singers oder Franui gezeigt. Bei den fünf  Sängerinnen des Coco Collectiefs klaffen Wollen und Können leider weit auseinander – so weit, dass manches unfreiwillig parodistisch wirkt wie «Im Dorfe» oder die schmalzige a-cappella-Version des «Wegweisers». Beim «Leiermann» angekommen, mag man dann nur noch mit Kafka sagen: «Gib’s auf!»

Da künstlerische Partnerschaften eines Sängers mit einem Hammerklavierspieler noch immer selten sind, durfte man auf die «Winterreise» des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Was kommt... April 2018

Pierre Audi
Der Kapitän geht von Bord. Nach 30 Jahren an der Spitze verlässt Pierre Audi die Nationale Opera in Amsterdam, um das Festival von Aix-en-Provence sowie die Park Avenue Armory in New York zu leiten. Zum Abschied inszeniert er Stefano Landis «La morte d’Orfeo» und kuratiert letztmalig das von ihm 2016 initiierte Opera Forward Festival. Wir sind dabei  

J...

Fulminante Raumfahrt

Es dauerte ziemlich lange, bis der Opernbetrieb das Attraktionspotenzial, fast möchte man sagen: den impliziten Eventcharakter der Grand opéra à la Meyerbeer neuerlich erkannte. Seit rund zwei Jahrzehnten aber scheint das Eis gebrochen und damit auch der lange Arm des Antisemiten und Meyerbeer-Hassers Richard Wagner. Von Einfluss war dabei wohl auch der dank des...

Pralles Volkstheater

Auf Martin Schüler ist Verlass: Der Intendant des Staatstheaters Cottbus macht immer «Kultur für alle», bringt im letzten verbliebenen Opernhaus des Landes Brandenburg Musiktheater so auf die Bühne, dass sowohl seine Ü65-Stammgäste als auch zwangsbeglückte Schulklassen Spaß daran haben. Mögen sich andere darüber den Kopf zerbrechen, ob man in Zeiten von #MeToo Don...