Kritisch distanziert

Wagner: Das Rheingold
Bielefeld | Theater

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Am Bielefelder Theater kümmert man sich noch liebevoll um seine Premierenabonnenten. Weil nicht jeder wissen kann, dass ein Bühnenwerk von zweieinhalb Stunden Dauer wie «Das Rheingold» ohne Pause gespielt wird (zweifelsohne eine gezielte Gemeinheit Wagners gegen die gesellschaftlichen Usancen seiner Zeit), wird an der Bar empfohlen, vor dem Ereignis schnell noch aufs Häusl zu gehen, um den Abend unbeschwert genießen zu können.

Das allerdings lag kaum im Interesse der Regisseurin Mizgin Bilmen, die schon in ihrer aufsehenerregenden Inszenierung von Marc-André Dalbavies «Charlotte Salomon» gezeigt hat, dass in der Oper nicht das schiere Vergnügen, sondern Einsichten in die Bedingungen unseres Lebens und die politischen Verhältnisse des 21. Jahrhunderts im Vordergrund stehen (da hätte der «Rheingold»-Komponist ganz gewiss heftig zugestimmt).

Und weil es Bilmen eben nicht um ein romantisches Märchen von Zwergen, Riesen und Göttern geht, hebt sich zu Beginn der Eiserne Vorhang mit piependem Warnsignal und Alarmlichtern. Das Statement: Wagners Drama um die Macht, welche die Schönen und Reichen in Gestalt des verfluchten Rings an sich reißen, spielt sich ab in einem technoiden Walhall ...

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Opernwelt April 2018
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Michael-Struck-Schloen

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