Müllers Bruder im Geiste
Es beginnt mit der Aufforderung zum positive thinking, «Music for a while shall all your cares beguile»: Bekümmernisse vergessen und sich der Musik an den Hals werfen. Hat der Hörer dies getan, kann er, wenn er mag, die Geschichte einer Liebe erfahren, die ersten Wallungen, das Mit- und Gegeneinander von Freude und Zweifel, schließlich das triste Auseinandergehen.
Dabei erlebt der fiktive Erzähler das Wesen der Geliebten als zwischen «clear and cloudy» changierend und muss am Ende feststellen, dass das Mädchen ihn vermutlich nie wirklich geliebt hat – worauf er seine Trauer Gott übergibt. Von ferne erinnert dies auch an Schuberts Müllersburschen.
Auf seiner ersten Solo-CD erzählt der international gefragte Countertenor Benno Schachtner diese Story mit Hilfe von Barden der elisabethanischen bis (post)jakobinischen Epoche. Henry Purcell bildet das Alpha und Omega dieses Recitals, hinzu kommen Kompositionen von John Dowland, Tobias Hume, John Blow, William Croft und Robert Johnson. Im Internet, auf YouTube, ist der 33-Jährige aus dem bayerischen Illertissen bei der Aufnahme im Bibliothekssaal des Klosters Roggenburg zu erleben. Schachtner setzt die Arien mit seinem ganzen Körper in ...
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Opernwelt April 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 27
von Gerhard Persché
Einzelarien aus dem umfangreichen Opernschaffen Nicola Porporas fehlen auf kaum einem Album mit Werken aus der Kastraten-Ära. Umso neugieriger durfte man sein, ob und wie Porporas Musik ihre Wirkung auch über die Länge einer kompletten Oper hinweg entfaltet. Das Publikum der Innsbrucker Festwochen der Alten Musik erlebte bereits 2015 eine Aufführung des Dramma per...
Als sich in England die Alte-Musik-Bewegung mit ihrem «authentischen Klangbild» zu formieren begann, lästerte der Dirigent Neville Marriner, dies sei so etwas wie eine makrobiotische Bewegung der Musikszene. Allerdings war Marriners Academy of St Martin in the Fields eines jener Ensembles, die schon davor über die romantische Konzertauffassung hinaus nach...
Mit schöner Regelmäßigkeit beschwert sich mein Freund Gwynne, ein walisischer Bass Ende 70, bei mir darüber, dass man ihm an Covent Garden nie eine würdige Abschiedsparty geschmissen hat. Gut 40 Jahre lang stand er dort auf der Bühne, in kleinen wie in großen Rollen. Seinen letzten Auftritt hatte er mit «Gianni Schicchi» in einer Schulmatinee. Mein Freund rechnete...
