Kontrolle und Emotion
Sie sagten einmal, Ihr Bayreuther «Parsifal»-Dirigat habe Sie verändert. Was ist passiert? Mir war das vorher nicht so deutlich, dass Wagner nicht nur ein grandioser Komponist, sondern auch so etwas war wie der erste große Dirigent. Bei ihm ist alles unheimlich klar organisiert. Man kann in Bayreuth nicht reüssieren mit dem Vorsatz: «Ich will hier meine Ideen verwirklichen.
» Man muss erst versuchen, diese besondere Situation zu begreifen. Große Gesten zum Beispiel, zu denen wir ja gerade bei Wagner verleitet werden, sollte man vermeiden. Und das alles nimmt man dann mit an andere Orte.
Ist man als jüngerer Dirigent in Gefahr, als Kontrollator aufzutreten?
Das liegt am Typ.
Manche gehören mehr zu den Emotionalen, manche mehr zu den Kontrollfreaks ... und Sie?
Ich behalte schon grundsätzlich gern die Kontrolle über die Sache. Vertrauen aufbauen, einfach spielen lassen, diese große Kunst muss man mit den Jahren lernen.
Dirigiert man Symphonisches anders, wenn man wie Sie an Opernhäusern sozialisiert wurde?
Ja. Man dirigiert kapellmeisterlicher, formaler, organisatorischer. Das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Markus Thiel
Die Möwe schreit. Ein Hund bellt. Über die Frederiksborggade schnaufen die Kopenhagener Stadtbusse. Dazwischen der Duft von Fisch und Frittenfett. Vor der Torvehallerne, der Markthalle mit Restaurants und Cafés, blüht das Leben. Der Bahnhof Nørreport, wo sich Metro und Fernzüge kreuzen, ist keine hundert Meter weg. Und genau hier spielt die Musik: Man gibt «Manon»...
Dass der Tonträgermarkt sich gern an Jubiläen orientiert, um für seine Produkte ein möglichst großes Maß an Aufmerksamkeit zu nutzen, ist ein altbekanntes Phänomen. Eine Lied-CD, die zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs erscheint und Werke präsentiert, die überwiegend das Thema Krieg thematisieren, ist unter den Gedenkjahresangeboten allerdings eine...
Es sind so viele Emotionen an diesem Abend», sagt Chefdirigent François-Xavier Roth, und sein Blick nach einer beeindruckend bedrückenden Interpretation von Anton Bruckners Achter Sinfonie sagt alles. Da hat ein Orchester gewissermaßen sein eigenes Requiem gespielt. «Mysterium» – «Apokalyptische» lauten die Beinamen des gewaltigen sinfonischen Werks. An diesem...
