Konsequent
Così fan tutte? Schön wär’s. Nur wenige Dirigenten durchforsten die Partitur dieses Dramma giocoso mit solch mikroskopischer Präzision und geschärftem dramaturgischen Sinn, wie es jetzt Hartmut Haenchen in der Opéra des Nations unternommen hat. Fast möchte man von einer revolutionären Tat sprechen, wäre nicht die Partitur schon ebenso beschaffen. Haenchen folgt ihr, auf Grundlage der Neuen Mozart-Ausgabe, lediglich auf dem Fuße, bis in letzte, verborgene Ecken.
Das Resultat ist gleichwohl nur dialektisch zu begreifen: Dadurch, dass er die Musik entblößt, hier und da sogar zerrupft, erscheint sie in ihrer ganzen Vielfalt als das, was sie ist: ein Geniestreich.
Haenchen erkundet ihn schon in den Rezitativen, die Xavier Dami (Cembalo) und Jakob Clasen (Violoncello) ingeniös ausschmücken, über die Rhetorik, den Rhythmus und das Tempo, dessen Relationen hier perfekt stimmen, schon in der Ouvertüre: Der Andante-Welt steht, schroffes Gegenbild, die Presto-Welt gegenüber, der Besänftigung die wollüstige Raserei. So konsequent verfolgt Haenchen dieses Prinzip, dass man nicht einmal nach der Pause die irdischen Längen des Stückes spürt. Zu pikant sind die Wechselfälle der Musik, zu heftig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jürgen Otten
Wie überlebt man mit federfeiner Stimme in einem Riesensaal wie der Pariser Bastille? Was verbindet Cellospiel mit Gesang? Warum klingt die Königin der Nacht in Frankreich anders als in Deutschland? Wer gab den Anstoß zu einer Karriere, die demnächst an die Mailänder Scala und Wiener Staatsoper führt?
Frau Devieilhe, in Deutschland sind Ihre CD-Recitals – das...
Im Gedächtnis der Opernfreunde wird Manfred Jung, der am Karfreitag nach langer schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren verstarb, vor allem als Siegfried in Patrice Chéreaus sogenanntem «Jahrhundert»-Ring bleiben, der auch in einer Filmversion vorliegt. Bayreuth war seine künstlerische Heimat, in der er über ein halbes Jahrhundert in verschiedenen Funktionen...
In Bayreuth wird 2018 «Tristan und Isolde» zum ersten Mal seit drei Jahrzehnten wieder auf Deutsch gesungen. Das können Sie nicht glauben? Sollen Sie auch nicht – für einmal wirklich «fake news»! Frei erfunden, um die Absurdität einer ganz und gar nicht erfundenen Nachricht zu verdeutlichen: Die Pariser Opéra bringt im Oktober 2017 «Don Carlos» erstmals nach 31...
