Konsequent

Mozart: Così fan tutte
Genf | Opéra des Nations

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Così fan tutte? Schön wär’s. Nur wenige Dirigenten durchforsten die Partitur dieses Dramma giocoso mit solch mikroskopischer Präzision und geschärftem dramaturgischen Sinn, wie es jetzt Hartmut Haenchen in der Opéra des Nations unternommen hat. Fast möchte man von einer revolutionären Tat sprechen, wäre nicht die Partitur schon ebenso beschaffen. Haenchen folgt ihr, auf Grundlage der Neuen Mozart-Ausgabe, lediglich auf dem Fuße, bis in letzte, verborgene Ecken.

Das Resultat ist gleichwohl nur dialektisch zu begreifen: Dadurch, dass er die Musik entblößt, hier und da sogar zerrupft, erscheint sie in ihrer ganzen Vielfalt als das, was sie ist: ein Geniestreich.

Haenchen erkundet ihn schon in den Rezitativen, die Xavier Dami (Cembalo) und Jakob Clasen (Violoncello) ingeniös ausschmücken, über die Rhetorik, den Rhythmus und das Tempo, dessen Relationen hier perfekt stimmen, schon in der Ouvertüre: Der Andante-Welt steht, schroffes Gegenbild, die Presto-Welt gegenüber, der Besänftigung die wollüstige Raserei. So konsequent verfolgt Haenchen dieses Prinzip, dass man nicht einmal nach der Pause die irdischen Längen des Stückes spürt. Zu pikant sind die Wechselfälle der Musik, zu heftig ...

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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Jürgen Otten

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