Der Tote und das Mädchen

Cornelius Meister, Pavol Breslik und Simona Saturová beleben Dvořáks «Geisterbraut»

Opernwelt - Logo

John Troutbeck ließ sich nicht erweichen. Als der Priester daran ging, Antonín Dvořáks Kantate für Soli, Chor und Orchester «Svatební Košile » ins Englische zu übertragen, änderte er den Titel. Aus den «Brauthemden» wurde kurzerhand «The Spectre’s Bride», zu Deutsch: «Die Geisterbraut», und dies zu Recht. Der Titel passt weit besser zu jener schaurig-moralischen Ballade, die des Komponisten Landsmann Karl Jaromír Erben ersonnen hatte.

Darin ein unschuldiges, der Abwesenheit ihres Geliebten wegen unglückliches Mädchen von einem Geist zur Sünde verlockt wird, schließlich aber, nachdem sie die Jungfrau Maria um Vergebung gebeten hat, in den Schoß der Kirche und zum Leben zurückfindet.

Dvořáks Vertonung hält sich streng an die Geschichte, untermalt sie mit luzid-leidenschaftlichen, aufwühlenden Klängen. Die Kantate als Opernszene, als wär’s ein Liebes-(leid)akt von Gounod, in mährischen Märchengefilden spielend. Cornelius Meister und das ORF Radiosymphonieorchester Wien finden den goldenen Mittelweg zwischen romantischem Schwelgen und distinguierter Rhetorik. Der Klang des Orchesters  und ebenso der von Heinz Ferlesch einstudierten Wiener Singakademie ist licht, transparent, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Konsequent

Così fan tutte? Schön wär’s. Nur wenige Dirigenten durchforsten die Partitur dieses Dramma giocoso mit solch mikroskopischer Präzision und geschärftem dramaturgischen Sinn, wie es jetzt Hartmut Haenchen in der Opéra des Nations unternommen hat. Fast möchte man von einer revolutionären Tat sprechen, wäre nicht die Partitur schon ebenso beschaffen. Haenchen folgt...

TV-Klassiktipps Juni 2017

alpha

04.06. – 11:00 Uhr
Valery Gergiev dirigiert Schostakowitsch: 11. Symphonie g-moll op. 103

Im Rahmen der Dmitri Schostakowitsch gewidmeten Retrospektive

04.06. – 21:20 Uhr
Meisterwerke der Klassischen Musik: Igor Strawinsky – Le sacre du printemps

Die audiovisuelle Konzertführer-Reihe gibt Einblicke in die wichtigsten Werke der Musikgeschichte vom Barock bis zur...

Geiz ist geil

Sydneys Geizkragen-Oper ist ein Widerspruch in sich: Auf den Einspielungen von Vivaldis «Bajazet» und Grétrys «L’amant jaloux» ist sie mit Hörgeschenken äußerst freigebig. Ohnehin macht der Name «Pinchgut Opera» (Pinchgut = Geizhals) Schmunzeln – er geht auf ein vom Volkmund so benanntes Gefängnis im Hafen von Sydney zurück. Nicht, dass die «Pinchguts» die eigene...