Schau auf diese Schuhe!
Wie überlebt man mit federfeiner Stimme in einem Riesensaal wie der Pariser Bastille? Was verbindet Cellospiel mit Gesang? Warum klingt die Königin der Nacht in Frankreich anders als in Deutschland? Wer gab den Anstoß zu einer Karriere, die demnächst an die Mailänder Scala und Wiener Staatsoper führt?
Frau Devieilhe, in Deutschland sind Ihre CD-Recitals – das Programm zu den «Weber Sisters» und das Rameau-Album «Le Grand Théâtre de l’Amour» – sehr gut angekommen. Auf einer deutschen Opernbühne sucht man Sie bislang vergeblich.
Warum?
Stimmt, ich habe noch nie an einem deutschen Theater gearbeitet. Es hat sich einfach nicht ergeben. Ein bisschen spielt da Zufall mit, glaube ich. Nächste Spielzeit komme ich nach Berlin, für etwas Konzertantes.
Liegt es vielleicht auch daran, dass für Sie wichtige Rollen wie Délibes’ Lakmé in deutschen Opernhäusern nicht gerade oft zu vergeben sind und dass eine andere Ihrer Paradepartien, Mozarts Königin der Nacht, dort meist mit einem anderen Stimmtyp besetzt wird?
Es ist wahr, dass man in Deutschland für die Königin kräftigere Stimmen vorzieht, mit einem gewissen Maß an Körper und Dramatik, während die Franzosen in dieser Rolle gern ein Vögelchen ...
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Opernwelt Juni 2017
Rubrik: Interview, Seite 32
von Wiebke Roloff
Wir stellen uns die Szene vor. Ein Mensch, einsam beschwert, in der Natur. Schwere Wolken über ihm, neben ihm, in ihm. Er weiß, die Wanderung, die er antritt, wird ihn auf eine Straße bringen, «die noch keiner ging zurück». Und so marschiert er los, ein Riesengepäck auf seiner Seele – aber auf samtenem Klangpfade. Bereits die ersten silbrig-verhangenen Töne der...
Diese Ausgrabung von Nico Dostals 1936 uraufgeführter Operette zeigt vor allem eines: unter welchen Bedingungen unterhaltendes Musiktheater nach drei Jahren NS-Kulturpolitik stattfand, nachdem mit den jüdischen Künstlern auch der freche Witz und der freie Geist aus den Theatern vertrieben worden waren. Dostals Librettist Rudolf Köller mag ein belesener Mann gewesen...
Er war ein Freund von Marcel Proust, Dandy, hochgeschätzter Sänger in den Pariser Salons, Dirigent, Musikkritiker; seine leider nie ins Deutsche übersetzte Studie «Du Chant» ist eines der glänzendsten Bücher, die je über Gesang geschrieben wurden. Als Komponist ist Reynaldo Hahn vor allem mit seinen melancholisch-eleganten, die leichte mit der ernsten Muse...
