Komm! Ins Offene, Freund!

Buch des Monats: Wolfgang Rihm erweist sich auch in den Gesprächen mit dem Philosophen Peter Trawny als ein Meister der ausgeklügelten Formulierung

Opernwelt - Logo

Über Wolfgang Rihm zu schreiben – das haben die meisten der Publikationen, die sich darin versuchten, eindrücklich bewiesen –, ist beinahe ein Ding der Unmöglichkeit. Einmal des gewaltigen Œuvres wegen, das einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart vorgelegt hat (rund 600 Werke umfasst die Liste), aber mehr noch, weil sich Rihm selbst in seinen Schriften seit den 1970er-Jahren als ein ebenso sprachmächtiger wie geistreicher Musikschriftsteller und -wissenschaftler auch in eigener Sache hervorgetan hat.

Der Philosoph Peter Trawny hat das (von ihm selbst als solches erkannte) Wagnis dennoch unternommen. Doch nicht in biografischer Form nähert sich Trawny dem Subjekt seines jahrelangen Interesses, sondern als Besucher in der Karlsruher Gelehrtenrepublik – vorausahnend, dass selbst die gewinnbringende Idee, mit Rihm ein Gespräch zu führen, «in einer Hinsicht ein fatales Unternehmen» sei: «Alles, was man fragen möchte, ja alles, was man sagen kann, hat er schon entweder in einem anderen Gespräch gesagt oder in einem seiner Texte besser ausgeführt.»

Gleichviel: Das Unterfangen gelingt, auf recht ungewöhnliche, sehr persönliche, zum Teil humorvolle, mitunter etwas ins ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 31
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Ach wie flüchtig

Der gestürzte und wiedererhöhte Nebucadnezar, König zu Babylon, unter dem großen Propheten Daniel» – so lautet der originale Titel von Reinhard Keisers Oper aus dem Jahr 1704, mit der das Theater Heidelberg nun sein winterliches Barockfest im Schwetzinger Rokokotheater eröffnete. Wer ein religionspolitisches Lehrstück befürchtete, sah sich angenehm enttäuscht. Zwar...

Das Mysterium lebt

György Ligetis «Le Grand Macabre» ist der seltene und zudem höchst erfolgreiche Fall einer Buffa aus der Feder eines Avantgardisten. Die 1978 in Stockholm uraufgeführte musikalische Groteske vom Weltuntergang mit ihrem handfest-derben Libretto und den marionettenhaft überzeichneten Figuren wurde selbst an mittleren und kleinen Häusern gespielt – meist als Grand...

Endlich frei

Mariettas Kleid in sonnig strahlendem Orange (bunte, auch romantisch blaue Blumen sind darauf gedruckt) erzählt ausdrücklich von der hellen Seite des Lebens. Und doch gleicht es aufs Haar dem Gewand einer Toten: ihrer «Vorgängerin», Pauls verstorbener Frau Marie, die (in Gestalt der jungen Tänzerin Natalie Kien) in jenem betongrau gruftig-düsteren Verlies haust,...