Die Sendung mit der Maus
Manchmal wäre es besser, kein Radio zu haben. Das wird sich auch Doktor Pietro Bartolo denken, der wuselige Chef eines Genlabors, das munter mit Mäusen hantiert, verbreitet doch das altehrwürdige Gerät mitten in seine emsige Tätigkeit hinein detestable Nachrichten. Des Doktors hehre Hoffnung, für seine (illlegalen?) Forschungen den Nobelpreis zu erhalten, zerstieben mit einem Hieb quer über den Äther.
Ein Nachrichtensprecher verkündet, erst in italienischer, dann in englischer, französischer und schließlich auch in deutscher Sprache, dass Bartolo aufgrund einer finanziellen Fehlkalkulation (oder sind es unheilige Geschäfte?) vor dem totalen Ruin steht. Dem darob Verdatterten, wozu ist er schließlich schnell im Kopf, bleibt nur ein Ausweg: Er muss heiraten. Und zwar möglichst pronto.
Nadja Loschky hat sich für ihre Inszenierung von Rossinis «Barbiere di Siviglia» am Theater Bielefeld etwas Extraordinäres ausgedacht. Sie verfrachtet das Personal in eine Mäusewerkstatt mit angrenzender Wohnstatt und macht es selbst zu aufgescheuchten, hin und her flitzenden Tierchen – was auf den ersten Blick so weit hergeholt nicht ist, wenn man weiß, wie «seelenverwandt», ja nachgerade identisch ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Im Fokus, Seite 18
von Jürgen Otten
Alte und neue Musik begegnen sich im Konzertsaal selten. Zu verschieden sind die interpretatorischen, gar instrumentalen Voraussetzungen, die einem solchen Brückenschlag im Weg stehen. Umso spannender, wenn es doch geschieht, wie jetzt auf zwei CD-Neuerscheinungen, die extremer, kontroverser nicht sein könnten. Beide Male sind es «Überzeugungstäter», die den Spagat...
Die erste Orchesterprobe ist ein wenig ernüchternd: Nach vier Tagen intensiven Unterrichts und Proben mit Klavierbegleitung spürt man deutlich, wie die Stipendiatinnen und Stipendiaten mit der Dynamik eines großen Instrumentenapparats noch fremdeln. Es klappert an Nahtstellen, die Meinungen über Tempi gehen bisweilen auseinander. Offenbar fehlt ein Stück Erfahrung....
Mariettas Kleid in sonnig strahlendem Orange (bunte, auch romantisch blaue Blumen sind darauf gedruckt) erzählt ausdrücklich von der hellen Seite des Lebens. Und doch gleicht es aufs Haar dem Gewand einer Toten: ihrer «Vorgängerin», Pauls verstorbener Frau Marie, die (in Gestalt der jungen Tänzerin Natalie Kien) in jenem betongrau gruftig-düsteren Verlies haust,...
