Süße Bonbons
Drei Mal «La Bohème» binnen einer Woche, kann man das aushalten? Oder nervt das dritte «Che gelida manina …» womöglich schon? Um gleich Entwarnung zu geben: Belastungstests dieser Art sind sogar ungemein erhellend, denn in der hohen Schlagzahl schält sich so etwas wie ein heißer Kern des Werks an sich heraus, der aus Momenten besteht, die immer funktionieren, weil sie einfach perfekt gemacht sind.
Wie immer man zu Puccinis «La Bohème» steht, eines wird man zugeben müssen: dass diese Oper zu jenen Meisterwerken gehört, deren unmittelbarer Wirkkraft auch mittlere, schlechte oder selbst konzeptionell missglückte Aufführungen kaum etwas anhaben können.
Zahlreiche Häuser setzen in diesem Winter auf Wiederaufnahmen, es sind legendäre Produktionen dabei wie Peter Konwitschnys Leipziger Deutung, Klassiker wie Götz Friedrichs Version an der Deutschen Oper Berlin, Christine Mielitz’ Dresdener Version von 1983. Und allein in Nordrhein-Westfalen gibt es neben Wiederaufnahmen derzeit auch drei Neuproduktionen. Also höchste Zeit zu fragen, ob das viel zitierte Missverständnis von Erich Kästner aus «Pünktchen und Anton» noch zutrifft: «Man gab Bohème, das ist eine sehr schöne Oper, und die Musik ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Regine Müller
Im Teatro Comunale di Modena ist man stolz auf den Dachboden des Gebäudes. Dort finden sich noch handgemalte Originalplakate aus den ersten Spielzeiten, darunter auch die von 1841, dem Jahr der feierlichen Eröffnung – mit Alessandro Gandinis «Adelaide di Borgogna al castello di Canossa», Saverio Mercadantes «Il bravo» und Vincenzo Bellinis «Beatrice di Tenda». Der...
Der Auftrag kam von höchster Stelle. Kein Geringerer als Louis XIV persönlich wünschte sich von seinem surintendant de la musique du Roy für die Karnevalsfeierlichkeiten des Jahres 1675, zu denen er europäische Politprominenz an den Königshof im Schloss Saint-Germain-en-Laye einzuladen gedachte, ein dem Anlass würdiges Bühnenwerk. Und Jean-Baptiste Lully, wissend,...
Jules Massenet hat den Abschluss seiner Opéra lyrique «Werther» genau notiert: «Samstag, 2. Juli 1887, 11.15 Uhr». Ob er ahnte, dass sein Werk tatsächlich ein Wurf war? Wie Puccinis «La Bohème» ist es ohne Fehl und Tadel, kein Takt zu viel, Libretto und Musik genau verzahnt – und doch im deutschsprachigen Raum nicht von gleicher Popularität; bis in die 1970er-Jahre...
