Barocke Spielarten
Im September 2021 hatte der Altist und Regisseur Max Emanuel Cencic bei dem von ihm gegründeten Barockfestival im Bayreuther Markgräflichen Opernhaus Nicola Porporas «Polifemo» inszeniert. Die gleichzeitig entstandene Studioproduktion bestätigt nicht nur den Ausnahmerang des 1735 in Konkurrenz zu Händel in London uraufgeführten Werks, sondern ist eine der glänzendsten Aufnahmen, die je von einer barocken Opera seria gemacht wurden.
Die Handlung verbindet zwei antike Mythen um den einäugigen Zyklopen Polyphem zu einer Liebesgeschichte.
Da der lüsterne Barbar der Nymphe Galatea ihr Liebesglück mit dem Hirten Aci nicht gönnt, erschlägt er ihn mit einem Felsblock und wird dafür zur Strafe von Ulisse, der sich auf der Heimfahrt von Troja die Zeit mit Calipso vertreibt, geblendet. Jupi -ter sorgt für das opernübliche Happy End, indem er Aci zu den Göttern erhebt. Polifemo – der Bassist Pavel Kudinov singt das menschenfressende Monster mit kräftigem Bass, ohne das Groteske zu übertreiben – ist zwar die Titelfigur, im Zentrum aber stehen Aci, Ulisse und Galatea. Porpora huldigt seinen Stars, den Kastraten Farinelli und Senesino sowie der Primadonna Cuzzoni, mit halsbrecherischen ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Uwe Schweikert
Anflug auf Japan. Erhaben ragt der schneebedeckte Krater des Fuji über dem Inselstaat auf, noch immer aktiv, aber seit gut 300 Jahren nicht mehr ausgebrochen. Auch die Bühne des Neuen Nationaltheaters Tokio wird am darauffolgenden Abend ein Vulkan dominieren. Nicht weiß, sondern schwarz, vor allem aber: auf den Kopf gestellt aus dem Schnürboden ragend, als sauge er...
György Ligetis «Le Grand Macabre» ist der seltene und zudem höchst erfolgreiche Fall einer Buffa aus der Feder eines Avantgardisten. Die 1978 in Stockholm uraufgeführte musikalische Groteske vom Weltuntergang mit ihrem handfest-derben Libretto und den marionettenhaft überzeichneten Figuren wurde selbst an mittleren und kleinen Häusern gespielt – meist als Grand...
Er zählt zu den eigenwillig schillernden, ihre künstlerische Individualität konsequent, nie lautstark verteidigenden Figuren der Neuen Musik nach dem Zweiten Weltkrieg. Umso bohrender in ihrer geisterhaften Komplexität ist York Höllers einzige Oper, die moderne Faust-Legende «Der Meister und Margarita» auf Michail Bulgakows gleichnamigen Roman. Nur wenige...
