Königliches Vergnügen
Als Ludwig XIV. ab 1661 ein altes Jagdschloss seines Vaters in eher sumpfig-fiebrigem Gelände zur Residenz ausbauen ließ, hatte das zwei Gründe. Er wollte, fern von Paris, den aufständischen Adel domestizieren, den er an den neuen Hof band. Und er wollte sich eine Kulisse seiner Herrschaft schaffen, die seinen Ruhm inszenieren, spiegeln, steigern und vor allem überdauern sollte. Das ist ihm gelungen. Versailles wurde zu seinem Symbol schlechthin.
Mehr denn je und noch perfekter in Szene gesetzt, seit die Königsresidenz vor einigen Jahren in eine GmbH umgewandelt wurde, die sich ihren Etat selbst verdienen muss. Die Sonne des alten Königs, nach allen, nicht immer subtilen Marketing-Regeln des Tourismus neu zum Glühen gebracht, strahlt über Versailles in größter Helligkeit.
Was lassen sich da erst für modische Synergien erzeugen, wenn sich zudem zwei Premiummarken zusammentun? So geschehen diesen Festival-Sommer zwischen der Feier- und Event-Abteilung von Versailles – ja, so etwas gibt es, hier vornehmer «Versailles spectacles» genannt – und dem nicht nur in Frankreich seine Klassiksparte zunehmend ausbauenden Label «Naïve». Dessen Vorzeigestück ist gegenwärtig die weltweit Furore ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Panorama, Seite 71
von Manuel Brug
Was für ein verrückter Festspielssommer. Übergänge prägen ihn – und Diffusitäten. Europas drei wichtigste Opernfestivals liegen diesbezüglich vorne. Anfang und Innovation sind überall gewollt. Doch die Selbstverortung ist schwieriger denn je. Können Festspiele überhaupt noch Perspektiven öffnen? Oft in diesem Sommer dachte man: Alles läuft. Aber nichts geht.
Stichwo...
Sind in «Rinaldo» cineastische Qualitäten zu finden? Robert Carsen scheint das zu glauben. Oft denkt man an James Bond-Filme oder das Fantasy-Genre, während man seine Inszenierung in Glyndebourne verfolgt. Er liebt das Magische, die Intrigen in dieser zur Zeit des Ersten Kreuzzugs spielenden Geschichte. Für historische Aufführungspraxis, die Bühneneffekte des...
Angefangen hat es in Neustrelitz. An einem «lichten Sommertag» vor 14 Jahren. Irgendwie hatte es Ralph Bollmann in die ehemalige Hauptstadt des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz verschlagen. Doch vom Schloss, aus dem die bis heute verehrte Preußenkönigin Luise stammte, ist nur ein Schotterplatz geblieben. Auch sonst fand der Historiker kaum Spuren aus einer Zeit,...
