Klischeeschleuder
In Kálmáns Operetten geht es eigentlich immer um Geld. Beziehungsweise um den chronischen Mangel daran – bei denjenigen, die fieberhaft am gesellschaftlichen Aufstieg arbeiten, ebenso wie bei Menschen, die den Abstieg aus ihrem feudalen Luxusleben verzweifelt aufhalten wollen. Aus dem Spannungsfeld zwischen dem Niedergang des feudalen Systems und dem Aufstieg eines selbstbewussten Bürgertums beziehen diese Bühnenwerke ihre Dramaturgie.
Besonders deutlich wird dieses Muster in der «Herzogin von Chicago», die weit seltener gespielt wird als «Die Csárdásfürstin» oder «Gräfin Mariza». Hier nimmt das Muster eine neue Wendung, denn ist Amerika nicht mehr nur das ferne gelobte Land, das Csárdásfürstin Sylva Varescu noch zu lukrativen Tourneen lockte. In Gestalt der reichen New Yorkerin Mary Lloyd fällt die Kaufkraft der Neuen Welt mit Macht in eine Budapester Tanzbar ein. Den Clash der Kulturen übersetzt Kálmán in ein musikalisches Duell zwischen Charleston und Csárdás. Mary Lloyd liebt aber nicht nur den Charleston, sie möchte sich auch mit einem Adeligen schmücken, den sie zu kaufen gedenkt. Sandor Boris wiederum, Erbprinz des fiktiven Landes Sylvarien, braucht dringend Geld zur ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Regine Müller
Nicht nur der Titel von Dieter Borchmeyers Buch über Mozarts Opern an sich ist bezaubernd, dieser Titel beschreibt zudem ziemlich treffend, worum es in jenen sieben großen Bühnenwerken geht, die Mozart binnen eines Jahrzehnts komponierte: um die «Entdeckung der Liebe». Wobei der Begriff «Entdeckung» durchaus einen doppelten Boden hat: Nicht jede Liebe, der man...
Die Geschichte ist nicht ganz neu: Eine Frau liebt einen Mann, und der liebt sie. Das Problem: Ihr Vater hat einen anderen für sie ausgesucht. Was die Angelegenheit ins Katastrophische weitet, ist die Tatsache, dass der von der Tochter Erwählte vom Vater zusätzlich zum Feind erklärt wird. Etliche Opern gerade italienischer Provinienz bis weit ins 19. Jahrhundert...
Die Schurken gurken – genau zur Sau», singt der über verfließende Zeit und deren Stillstand gebietende «Anhalter», musikalisch symbolisiert durch Trompete und Cembalo im Habitus barocker Ariosi. Diese das Stück strukturierende Spielmacher-Figur ist vieles zugleich: Oratorien-Testo, Mentor der zu Superhelden mutierenden vier Schulkinder auf ihrer Heldenreise,...
