Gemalt, nicht geträumt
Am Ende gibt es keinen filigranen Pinselstrich mehr, da greift sie flugs zur breiten Borste. Mit fettem Schwarz übertüncht Senta ihr Gemälde, und parallel dazu färbt sich der heruntergelassene Gaze-Vorhang dunkel – auf dass nichts mehr zu sehen ist vom Holländer und der vierstöckigen Hochzeitstorte, vor der Matrosen und Gäste verröcheln, manche voller Blut; eine Frau hat sich die Augen ausgestochen. Senta macht Schluss mit ihrem entgleisenden Traum. Und weil sie in der Inszenierung am Staatstheater Nürnberg Malerin ist, passiert das, ihrer Profession entsprechend, per Farbeimer.
Wagners «Fliegenden Holländer» aus Perspektive der Protagonistin zu erzählen, als Vision oder Imagination, damit erfindet Anika Rutkofsky das Regie-Rad nicht neu. Irgendwo zwischen Harry Kupfers Bayreuther Wurf und Peter Konwitschnys Münchner Longseller liegt ihre Deutung. Mit Letzterem hat sie den Zeiten-Clash gemein: Die Nürnberger Senta lebt im Lateinamerika des 19. Jahrhunderts, geöffnete Lamellentüren geben den Blick frei auf einen Vulkan nebst Palmen. Und mutmaßlich ist sie eine Nachfahrin jener Conquistadores aus dem 16. Jahrhundert, deren schwarzbärtiger «Holländer» von ihr immer wieder auf ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Markus Thiel
Mit Kalypso und Nausikaa beginnt die Literaturgeschichte des Strandes. Die faszinierende Grenzwelt der Elemente, wo Schönheit und Schrecken, das Endliche und Unendliche symbolträchtig aufeinanderstoßen, hat unvermeidlich auch die Oper inspiriert – stärker sogar als das Meer selbst. Ohne den Strand von Aulis wäre Glucks Iphigénie beinahe heimatlos, und wo sollte...
Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi war der Erste. Unter seinem Künstlernamen Pietro Metastasio schrieb der italienische Dichter Hunderte von Libretti, die nicht nur den Grundstein für eine außergewöhnliche Kunstform legten, sondern zugleich ihren fortwährenden Ruhm begründeten; noch heute betören Metastasios Schöpfungen durch ihren Erfindungsreichtum,...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten P = Premiere UA = Uraufführung
DEUTSCHLAND
Aachen
Theater Aachen
www.theateraachen.de
- Verdi, Ernani: 5., 8.
Angermünde/Prenzlau
Uckeroper
www.uckeroper.de
- Charpentier, David et Jonathas: 4., 6., 12. (Angermünde), 18., 20. (Prenzlau)
Annaberg-Buchholz
...
