Amüsant
Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid», singen Báron Pista und die Generalkonsulstochter Lya in einer der bekanntesten Nummern der «Frau von Format», die damals aus vielen Grammophonen tönte. 1927 kam die revueartige Operette am Berliner Theater des Westens heraus. Und natürlich ist weder Pista ein echter Baron noch Lyas Vater ein echter Generalkonsul: Wie die bürgerliche Ehe, so ist auch die alte Titelei nur noch Schall und Rauch. Die Geschlechter-Identitäten purzeln, das harte Leben nach dem Ersten Weltkrieg wird (zumindest in der Hauptstadt) einfach weggetanzt.
Vor allem die Frauen gehen ihre eigenen Wege, treten im Frack mit Kurzhaarfrisur auf und probieren in der Liebe so einiges durch – während die Cis-Männer die Welt nicht mehr verstehen.
Der gebürtige Ungar Michael Krasznay-Krausz steht heute im Schatten seines Budapester Studienkollegen Pál Abraham oder der berühmten Kollegen Künneke und Benatzky. Wie Abraham wurde Kraznay-Krausz 1933 als Jude von den Nazis aus Berlin verjagt und gelangte über Wien wieder nach Budapest, wo er 1941 nach einer misslungenen Operation starb. Doch während man Abrahams Operetten nach dem Krieg in spießigen Bearbeitungen wieder auf die ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 59
von Michael Struck-Schloen
Wolken ziehen vorüber. Eine düster lastende Atmosphäre herrscht in diesem Schwarz-Weiß-Melodram. Dafür sorgen nicht nur die an Texteinblendungen alter Stummfilme erinnernden Videosequenzen, mit denen jedes Kapitel der lyrischen Szenen auf dem Bühnenprospekt eingeleitet wird. Ein klassisches Chiaroscuro ist auch die Setzung der Kostüme: unschuldiges Weiß für die...
Die Geschichte ist alt, biblisch alt. Geschrieben steht sie im Ersten Buch Mose, Kapitel vier, und erzählt von jenem Mord, der als Menetekel, als Parabel, ja, als Urbild menschlicher Katastrophen taugt. Ein Bruder erschlägt seinen Bruder und wird von Gott dafür gezeichnet. Die Frage ist nur: Hat er etwas daraus gelernt? Begreift Kain, dass jenes Stigma, dass der...
Dass sie zu den bedeutendsten Komponisten Polens zählt, haben ihre Landsleute nie in Frage gestellt. Grażyna Bacewicz verkehrte als Gleiche unter Gleichen; alle namhaften Dirigenten von Grzegorz Fitelberg bis Witold Rowicki haben ihre Werke aufgeführt, Witold Lutosławski und ihr Lehrer Kazimierz Sikorski, beide eminente Symphoniker, schätzten Bacewiczs...
