Klinisch elegant
Merkwürdig, wie sehr wir am Musiktheater gemessen werden», sinniert Chief Executive Roger Wright. «Es ist doch nur ein Programmpunkt unter vielen.» Jedes Jahr eine große Britten-Produktion kann sich das Aldeburgh Festival gar nicht leisten: Muss man doch für eine vollumfängliche Oper nahezu doppeltes Budget ansetzen. Im Durchschnitt kosten die zweieinhalb Wochen delikater Konzerte zwischen raschelndem Schilf und gurgelnden Kieseln etwa 650 000 Pfund. «Midsummer Night’s Dream» im letzten Jahr? Gut eine halbe Million extra.
Zum Glück geht es auch kleiner.
Ein Kernanliegen ist schließlich auch in der 71., Benjamin Britten und Amerika gewidmeten Ausgabe die Neue Musik – und zu den insgesamt 15 Uraufführungen gehört auch Emily Howards «To See The Invisible». Das Libretto von Selma Dimitrijevic basiert auf einer Kurzgeschichte des amerikanischen SciFi-Autors Robert Silverberg. Für ein «crime of coldness» (liebloses Betragen) wird ein Mann zu «Unsichtbarkeit» verurteilt: Seine Mitmenschen müssen handeln, als ob er gar nicht da wäre. Erst genießt er seine Freiheiten – ungehinderter Zutritt überall, ob Kakteenshow oder Bordell –, dann treibt ihn die Isolation zur Verzweiflung. Wieder ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Hauptberuf ist Berthold Seliger Konzertagent. Seit drei Jahrzehnten. Sein Geld verdient er mit Künstlern wie Lou Reed, Patti Smith oder Rufus Wainwright. Nebenbei meldet sich Seliger gern und häufig als scharfzüngiger Kulturkritiker zu Wort, der in Aufsätzen und Büchern gegen die Monopolisierung des Musikgeschäfts oder das «gebührenfinanzierte Staatsfernsehen»...
Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La...
Teilweise wird die Bologneser Neuproduktion von Verdis «Don Carlo» (in der vieraktigen Mailänder Fassung von 1884) den hohen Erwartungen ja vollauf gerecht: zum Beispiel in Sachen Stimmqualität. Die berüchtigte Ensembleoper erfordert erstklassige Solisten in sechs Hauptrollen, am Teatro Comunale mangelt es in der Hinsicht an nichts. Und wenn Noch-Chefdirigent...
