Klinisch elegant
Merkwürdig, wie sehr wir am Musiktheater gemessen werden», sinniert Chief Executive Roger Wright. «Es ist doch nur ein Programmpunkt unter vielen.» Jedes Jahr eine große Britten-Produktion kann sich das Aldeburgh Festival gar nicht leisten: Muss man doch für eine vollumfängliche Oper nahezu doppeltes Budget ansetzen. Im Durchschnitt kosten die zweieinhalb Wochen delikater Konzerte zwischen raschelndem Schilf und gurgelnden Kieseln etwa 650 000 Pfund. «Midsummer Night’s Dream» im letzten Jahr? Gut eine halbe Million extra.
Zum Glück geht es auch kleiner.
Ein Kernanliegen ist schließlich auch in der 71., Benjamin Britten und Amerika gewidmeten Ausgabe die Neue Musik – und zu den insgesamt 15 Uraufführungen gehört auch Emily Howards «To See The Invisible». Das Libretto von Selma Dimitrijevic basiert auf einer Kurzgeschichte des amerikanischen SciFi-Autors Robert Silverberg. Für ein «crime of coldness» (liebloses Betragen) wird ein Mann zu «Unsichtbarkeit» verurteilt: Seine Mitmenschen müssen handeln, als ob er gar nicht da wäre. Erst genießt er seine Freiheiten – ungehinderter Zutritt überall, ob Kakteenshow oder Bordell –, dann treibt ihn die Isolation zur Verzweiflung. Wieder ...
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Die instrumentalen Partituren von Adriana Hölszky wirken mit ihren dauererregten, chaotisch zerfaserten Texturen immer schon wie ein Klangtheater, das sich mit surreal anmutenden Bildwelten seine eigene Szenerie schafft. Doch in Verbindung mit einer Bühneninszenierung werden noch einmal ganz andere Schichten freigelegt. So geschehen mit der Komposition «Roses of...
Zweimal per annum – an ihrem offiziellen Geburtstag und zu Neujahr – verteilt Elizabeth II. allerhand Ehrungen. An die, die Großes, und die, die Gutes tun. Im Juni gab’s ein paar OBEs (Order of the British Empire) für diverse Instrumentalisten und Sänger, Bariton Simon Keenlyside schlug die Queen sogar zum Ritter. Jetzt muss ich ihn wohl Sir Simon nennen – doch...
So schlecht ist dieses schräge Stück gar nicht, man muss es nur überzeugend auf die Bühne bringen: «Edgar», Puccinis zweite, selten gespielte Oper. Die Bühne, das ist hier der Klosterhof vor der mächtigen Fassade der Kathedrale St. Gallen. Mit dabei sind die Magie des Ortes, die Dämmerung sowie Schwalben, die sich um Vierteltöne zu hoch ins musikalische Geschehen...
