Wie meinen?
Wer ist dieser Blaubart mit seinen sieben verschlossenen Türen, seinen blutbesudelten Waffen und seinen untoten Ex-Frauen? Ein Psychopath oder ein ganz normaler Typ? Trägt Judith an allem die Schuld, weil sie zu viele Fragen stellt? Sind wir gar alle ein bisschen Blaubart? Mit Janáćeks «Schlauem Füchslein», seiner ersten abendfüllenden Operninszenierung an La Monnaie, hatte der belgische Allround-Künstler Christophe Coppens im vergangenen Jahr eine clever-scharfsinnige Regiearbeit abgeliefert.
Man durfte also gespannt sein, ob es ihm am selben Ort gelingen würde, Bartóks geheimnisvolle Fabel ähnlich tiefblickend in Szene zu setzen.
Die Antwort lautet: Nein. Coppens und sein Team haben «Blaubart» mit Bartóks einaktiger Tanzpantomime «Der wunderbare Mandarin» zu einem Doppel zusammengespannt – zwei Werke, die zutiefst problematische Frauenbilder vermitteln. Es hätte also ein aufschlussreicher Abend werden können. Stattdessen kreiert Coppens psychedelisches Musiktheater, das zwar visuell überwältigt, jedoch keinen überzeugenden Standpunkt erkennen lässt. Blaubarts Burg ist ein Wunderwerk aus bunt strahlendem Lichterglanz, aus neun Kristallwürfeln montiert, die durch transparente ...
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