Kleiner Mann, was nun?

In Hamburg und Essen schreitet die Arbeit am «Ring» fort. Doch weder Simone Young und Claus Guth noch Stefan Soltesz und Anselm Weber verleihen dem «Siegfried» wirklich Format

Sowohl Claus Guth (in Hamburg) als auch Anselm Weber (in Essen) standen vor dem nahezu unlösbaren Problem, etwas Eigenes zum Thema «Siegfried» zu (er)finden. Mit Hilfe ihrer Bühnen- und Kostümbildner dekorierten sie das Ganze einfach um, wobei die «neuen» Schaufenster nicht viel anders ausschauten als viele alte zuvor. Claus Guth wollte die Geschichte wohl als eine Art Initiationsritus zeigen: von der Tumbheit über die Unstäte zur sexuellen Befreiung. Zunächst tummeln sich Siegfried und Mime wie halbstarke Knaben in einer bunkerähnlichen Garage.

Knäbische Fantasien beflügeln die Aktionen. Die Schwertstücke werden auf einer Waschmaschine zerstäubt, in einer Montagegrube wird mittels Benzin das Schmiedefeuer entzündet und mit Möbelteilen beheizt. Am Ende wirft Siegfried seine Spielzeugpuppe hinein, die er bis dahin immer wieder heftig an die Brust gedrückt hatte. Wotan-Wanderer schaut besorgt herein wie der Hausmeister von nebenan. Alles schön menschlich: Kleiner Mann, was nun?
Im zweiten Akt blickt man auf ein weites Zimmerrund mit einem großen Fensterausschnitt, der wie ein Wintergarten mit Pflanzendickicht gefüllt ist. Den dumpf dröhnenden Drachen sieht man nicht, aber der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerhard Rohde

Vergriffen
Weitere Beiträge
Klangschatten

Kaija Saariahos erste Oper «L’Amour de loin» war ein Auftragswerk der Salzburger Festspiele und kam im Sommer 2000 in der Felsenreitschule heraus, dirigiert von Kent Nagano (siehe OW 11/2000). Fünf Jahre später wurde die Inszenierung von Peter Sellars an der Oper von Helsinki auf DVD mitgeschnitten, nun dirigiert von Saariahos Landsmann Esa-Pekka Salonen. Wie bei...

Bunte Endzeit

«Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein», singt Sophie am Schluss ätherisch weltentrückt, als könne sie selbst noch nicht ganz fassen, was mit ihr geschehen ist. Für Stefan Herheim ist die halb imaginäre, halb reale Welt, die Hofmannsthal und Strauss in ihrer «Komödie für Musik» zu einem kunstvollen Ganzen ineinandergefügt haben, Traumtheater – ein modernes...

Glück und Trauer

In der Rockmusik und im Jazz ist die «All Star Band» eine feste Größe. Ihr wesentlicher Daseinszweck: mit klingendem Promi-Namen Kasse machen. Eine Marketing-Strategie, die längst auch zum Alltag der Klassikbranche gehört. Die «3 Tenöre» machten nur den Anfang. Solche Gedanken gehen einem durch den Kopf, wenn man die Neueinspielung von Verdis «Requiem» hört, die im...