Konkurrenz für den Platzhirsch

Im frisch aufpolierten Michailowsky Theater in St. Petersburg weht frischer Opernwind

Es gibt in der Muppets Show den Gemüsechor und in Wien das nach jedem Auftritt seine Instrumente erneuernde Gemüseorchester, aber ein Gemüsehändler als Opernintendant, das ist neu. Warum nicht? In Italien waren die Impresari, die sich für je eine Spielzeit in die Opernhäuser einmieteten, als Geschäftsleute vor allem für das Drehen der Rouletteschüsseln verantwortlich, die neuen Opern waren eher das Lockmittel dafür. Und in Russland muss man zur Selbsthilfe greifen, wenn man nicht mit Vladimir Putin und seinen Vasallen befreundet ist – wie St.

Petersburgs regierender Opernzar Vladimir Gergiev.
Der konnte zwar vor zwei Jahren im Handstreich seinen neuen Konzertsaal in den rauchenden Mauern des zufällig abgebrannten historischen Depotgebäudes des Mariinsky Theaters eröffnen – regelmäßig ausgelastet ist der freilich genauso wenig wie das dringend sanierungsbedürftige, pistaziengrüne Haupthaus. Gergiev hatte zudem Fakten geschaffen, indem er auf der anderen Kanalseite den Abriss eines Häuserquartiers betrieb, wo längst das als «goldene Kartoffel» verspottete zweite Mariinsky Theater von Dominique Perrault hätte stehen sollen. Das wiederum ist schon seit 2007 eigentlich Makulatur. Der ...

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Opernwelt Dezember 2009
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Manuel Brug

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fordern und gefordert werden

Schon bei seinem Amtsantritt im Januar konnte man es hören: Ungewohnt fein und transparent klang da Richard Strauss’ gigantisch instrumentierte «Elektra»-Partitur, schlank und beweglich präsentierte sich das Orchester. Unverkennbar stand da ein Mann im Graben, der sehr präzise Vorstellungen vom Klang seines Orchesters hatte – und diese auch umzusetzen wusste....

Kulinarik down under

Sich den besten Wein bis zum Schluss aufzusparen, kann eine gewagte Taktik sein. Doch sie ging auf an der Opera Australia bei den neuen Produktionen von «Peter Grimes» und «Così fan tutte». Brittens Oper glückte vor allem dank musikalischer Stärken. Mark Wigglesworth dirigierte mit unbändiger Energie, bewundernswerter Finesse und scharfsinnigem Gespür für die...

Todesvogel wider Willen

Giovanni Simone Mayrs 1813 in Neapel uraufgeführte Opera seria «Medea in Corinto» zeigt nicht nur eine rächende Kindsmörderin, das Stück kehrt auch die zarten Seiten der Figur hervor. Regisseur David
Alden übersetzt in St. Gallen ihre reichen Facetten in starke Bilder. Im Finale des ersten Akts ist Medea als schwarzer Todesvogel verkleidet, setzt eine Krähe auf den...