Klangstifter

Tilo Sorg untersucht, inwieweit Thomas Manns fiktive Musikbeschreibungen sich in realen Kompositionen niedergeschlagen haben

Opernwelt - Logo

Thomas Mann und die Musik – ein oft beackertes Feld, auf dem kaum noch Steinchen liegen, die nicht schon gehoben und von allen Seiten betrachtet worden sind. Nun hat Timo Sorg in seinem Buch «Beziehungszauber» – die leicht gekürzte Fassung seiner Heidelberger Dissertation – einen Pfad gefunden, um bislang vernachlässigte Stellen zu erschließen. Statt der häufig gestellten Frage, inwieweit Thomas Manns Werk von musikalischen Einflüssen geprägt ist, nähert er sich aus anderer Perspektive und prüft, inwieweit Manns Texte Einfluss auf die Musikgeschichte genommen haben.

Auch das ist nicht grundsätzlich neu, da beispielsweise über Brittens «Death in Venice» schon vieles gesagt wurde. Doch Sorg dringt gezielt in Nischen vor.

Von 39 angeführten Thomas-Mann-Vertonungen hat Sorg drei ausgewählt. Neben «Death in Venice» sind dies Giuseppe Manzonis Oper «Doktor Faustus» sowie das dritte Violinkonzert von Henze (mit einem Abstecher zu dessen Sinfonia Nr. 9). Während Manzonis Oper und Henzes Konzert auf der Thomas-Mann-Folie erstmals umfassender betrachtet werden, interessiert den Autor bei Britten vor allem, wie die Musik Manns Novellen-Vorlage «erzählt». Exemplarische Einzelanalysen zeigen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs und DVDs, Bücher, Seite 31
von Christoph Vratz

Weitere Beiträge
Versöhnliches Finale

Wolfgang Quetes hat sich nach acht Jahren als Generalintendant aus Münster verabschiedet. Es spricht für ihn, dass er sich den Abschied mit seiner letzten Inszenierung nicht leicht, sondern besonders schwer gemacht hat. Webers 1826 für London komponierter «Oberon» ist – so Carl Dahlhaus – «weder ‹Oper› noch ‹Musikdrama›, sondern im Wortsinn ‹Musiktheater›»: eine...

Ströme des Bewusstseins

Bekanntlich leidet die Neue Musik darunter, wenn sie von Interpreten, die in der klassischen Vokalmusik nicht reüssieren konnten, als Refugium aufgesucht wird. Ohne das «über die Wiedergabe hinausgehende, selbstständige Moment der vokalen Sprache beim Interpreten ist gerade die Objektivität des Werkes nicht zu realisieren». Bestätigt wird diese Überlegung Adornos...

Was kommt...

Finnlands größtes Opernfestival in Savonlinna feiert 100. Geburtstag. Dazu wurde eine Uraufführung in Auftrag gegeben: «La Fenice». Impulse gehen aber auch von der Kokkola Oper im Westen des Landes aus. Auch dort gab es ein neues Stück: im Mittelpunkt der Politiker Kekkonen, dargestellt von der Sopranistin Anu Komsi.

Die Neuproduktion der diesjährigen Bayreuther...