Kinder, macht Neues!
Um das zehnjährige Bestehen des Linzer Opernhauses zu feiern, ist eine neue «Meistersinger»-Inszenierung eine gute Wahl. Noch dazu, wenn Markus Poschner und das Bruckner Orchester so transparent, so packend aufspielen und Paul-Georg Dittrich (Regie) und Sebastian Hannak (Bühne) sich der Szene derart originell annehmen. Selbst kecke Eingriffe – ein Kinderchor ersetzt den Nachtwächter, Eva singt Stolzings «Will ohne Meister selig sein» – wirken an diesem Abend plausibel.
Das Ganze beginnt in Evas Kinderzimmer, mit Riesenteddy in der Ecke und mechanischen Aufziehpuppen.
Auf dem Zwischenvorhang steht der Satz «Mir ist, als wär’ ich gar wie im Traum!» Die Inszenierung folgt ihm – werktreu, dabei innovativ; durchdacht, dennoch spontan. Dittrich wählt die Perspektive eines Teenagers, der zwar in einer behüteten Welt aufwächst, aber nach deren Regeln als verpacktes Preisgeld mit roter Schleife an den Sieger eines Wettstreits verschenkt werden soll. Wie sehr Eva durch diese Prozedere bedroht wird, zeigt sich besonders deutlich in der Werbeszene. Die «Meister» gehen in ihren schwarzen Anzügen und den bedrohlichen Spitzhüten aggressiv auf den ins Kinderzimmer hineingeträumten Ritter los; ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Joachim Lange
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