«Helden wie ihr»
Georg Friedrich Händels Oratorium «Hercules» kam 1745 am Londoner King’s Theatre zur Uraufführung, wo der große Hallenser – mal mit Erfolgslorbeeren bedacht, mal von Konkurrenz und blöden Zufällen geplagt – gewirkt hatte. Das King’s Theatre ist längst tot (seit 1986 läuft dort ausschließlich «The Phantom of the Opera»), der frisch in der Westminster Abbey gekrönte König allerdings: lebt. Und Händel: ebenfalls. Auch der eher etwas Unbekanntere.
Im kleinen Saal des Royal Opera House konnte man unlängst Händels 1737 just dort uraufgeführtes Dramma per musica«Arminio» (Text: Antonio Salvi) in einer Neuproduktion erleben. Ende April 2023 hob man die neue «Hercules»-Produktion von Barrie Kosky in Frankfurt aus der Taufe; nach «Semele» (2018) an der Komischen Oper Berlin (dort wird die Koproduktion im März 2024 gezeigt) ist es bereits Koskys zweite szenische Umsetzung eines Händel-Oratoriums.
Das Stück ist im Grunde zu keiner Sekunde «lustig». Des Titelhelden Ehefrau Dejanira ist grundlos eifersüchtig auf Iole, die der heimkehrende Hercules als «Kriegsbeute» mit an den Hof bringt. Dieser, weit weniger posttraumatischbelastungsgestört als seine Gattin, muss am Ende dran glauben: Der ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Arno Lücker
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