Keine Sonne, nirgends
Antonio Pappano hat es im Kontext zu seiner aktuellen «Turandot»-Einspielung sehr richtig beschrieben: Mögen Franco Alfanos Ergänzungen von Giacomo Puccinis unvollendeter Oper auch stilistisch nicht ideal sein – sie sollten nicht gekürzt werden. Denn das «Schmelzen der Eisprinzessin» bedarf dieser musikalischen Ausdehnung, um annähernd nachvollziehbar zu sein.
In Emmanuelle Bastets Neuinszenierung an der Opéra national du Rhin ist dieser lange Dialog in Alfanos Originalfassung ein zentrales Moment.
Auf der schwarzen Bühne steht als einziges Requisit ein großes weißes Bett. Auf dem wälzt sich die Prinzessin hin und her, während Calaf seine berühmte Arie singt: «Nessun dorma», keiner schlafe … Das gilt auch für Turandot – sie durchlebt den Albtraum ihres Lebens. Bastet spürt dem Trauma der Turandot psychoanalytisch nach. Deren Grausamkeit – ist sie nicht zuletzt das Ergebnis einer Abschottung gegen die ganze Männerwelt? Man ahnt, dass nicht einer Urahnin Schlimmes durch diese widerfahren ist, sondern Turandot höchstselbst. Und so steht der lange Schlussdisput zwischen ihr und Calaf in der inszenierten Isolation in der Tradition anderer großer verhinderter Opernpaare: Turandot und ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Alexander Dick
Wir sind am Schluss jetzt von dem ganzen «Ring».
Wir sind am Rhein – und nicht in Paderborn.
Es singt und singt halt jeweils eine Norn.
Man fleht, oh lieber Gott: «Mach aus das Ding!»
Doch er – der Richi – spinnt erst noch Intrigen,
Die uns nun wirklich nicht mehr int’ressieren.
Die Notdurft tut alsbald schwer zu pressieren,
Doch sitzt man fest und will sich schier...
In Freundschaft» lautet das Motto der diesjährigen Musikfestspiele Potsdam. Freundschaftlich verbunden sind sich auch die Helden in Marc-Antoine Charpentiers szenischem Oratorium «David et Jonathas», einer Koproduktion mit der Opéra Royale de Versailles. David, furchtloser Bezwinger des Riesen Goliath, und Königssohn Jonathas gehören verfeindeten Lagern an – den...
Das Warten auf den (musikalischen) Höhepunkt kann in Claudio Monteverdis «L’incoronazione di Poppea» eine halbe Ewigkeit dauern. Am Theater Bremen sind es gerade mal zwei Stunden und 30 Minuten, bis sich die Stimmen von Nerone und Poppea in «Pur ti miro, pur ti godo» ineinander verschlingen dürfen, weil der Komponist das Melos der Musik und der Sprache seiner...
