Das gegenwärtige Leben

Moskauer Impressionen: Bellinis «Norma» am Bolschoi-Theater, Verdis «Luisa Miller» am Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko Musiktheater

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Der wichtigste Moment in der Aufführung von Bellinis «Norma» am Stanislawski-und-Nemirowitsch-Dantschenko Musiktheater ist der, als Regisseur Adolf Schapiro beispielhaft die in Moskau vorherrschende Stimmung beschreibt: Oroveso, im Kampfanzug in einem Rollstuhl sitzend, erinnert das Publikum daran, dass bald der Moment kommen wird, an dem der Widerstand gegen die fremde Staatsmacht aufflammt; an der Bühnenrampe drängt sich derweil ein Männerchor aus Soldaten in Uniformen unserer Zeit und skandiert so lebhaft wie lautstark seine Entschlossenheit in den Saal.

Die musikalische Seite dieses Abends hingegen lässt viele Wünsche offen: Der aus St. Petersburg eingeladene Dirigent Christian Knapp reproduziert die Töne der Partitur, ohne zu spüren, dass sie etwas weit Wichtigeres zu sagen haben. Und auch Hilba Gersmawa, gegenwärtig die einzige bedeutende Primadonna in Moskau, singt die Norma «buchstabengetreu», ohne den Noten auch nur annähernd inhaltliches Gewicht zu verleihen; ohnehin scheint ihre Stimme der schwierigen Titelpartie nur an wenigen Stellen gewachsen zu sein. Erschwerend kommt hinzu, dass ihr Handlungsspielraum von der Regie auf ein Minimum eingeengt wird. Weit überzeugender ...

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Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Alexej Parin

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