Heiße Herzen
Im Festivalbetrieb funktionieren Programme, die sich im Alltag des Kulturlebens eher schwertun, manchmal auf wundersame Weise. So etwa Streichquartett-Abende. In Heidelberg drängelt sich das Publikum beim alljährlichen Streichquartettfest zu Beginn des Jahres. Intendant Thorsten Schmidt, der 1997 den «Heidelberger Frühling» erfand, rückt dabei bewusst «schwierige» Formate in den Mittelpunkt; seit 2022 kuratiert er das Liedfestival im Juni.
Die Zeiten, als Liederabende große Säle füllten, sind längst passé.
Ist der Grund womöglich das etwas steife Setting? Oder die Reihung von kleinen Formen, die etwas erzählen und doch kein Theater sind? Jedenfalls liegt Roland Kurz beim Abend der Preisträger und Stipendiaten unter dem Titel «Liedfest ohne Grenzen» richtig, als er von einem Gespräch erzählt, in dem er ankündigte, er wolle einen Liederabend moderieren, woraufhin ein Kollege gesagt habe: «Das ist aber doch nur etwas für sehr alte Leute!» Das Heidelberger Publikum murrt deutlich hörbar, mehrheitlich die reiferen Semester. Aber im Saal sind auch viele junge Menschen, teils Akademisten, teils Studierende – jedenfalls glühende Fans der Gattung.
Seit 2016 widmet sich das Liedzentrum der ...
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Opernwelt August 2023
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Regine Müller
Gut sieht sie aus, die «alte Frau», wie sie da aus der Tür des Riesenkarpfens, der (auch) ein Haus darstellt, heraustritt, neugierig, wer da wohl geklopft hat. Eine Dame, könnte man meinen. Doch schon die ersten Worte und Töne verwandeln dieses wunderliche Wesen in ein keifendes Weib, das den beiden Menschen, die frierend und zitternd vor ihr stehen – in größter...
Mit ihren siamesischen Zwillingen «Cavalleria rusticana» und «Pagliacci» eilten Ruggero Leoncavallo und Pietro Mascagni von Erfolg zu Erfolg. Auf sich allein gestellt war keine ihrer weiteren Opern lebensfähig. Leoncavallo, der sensiblere der beiden Zwangsverbundenen, absolvierte dabei eine ästhetische Achterbahnfahrt von der Grand Opéra über den Verismo-Thriller...
Über Händels Humor ist nicht allzu viel bekannt. Dass er ihn angesichts der logistischen Schwierigkeiten im Londoner Opernleben seiner Zeit gehabt haben muss, das hingegen steht außer Zweifel. Richtig schlimm wurde es für den komponierenden Impresario (oder, je nach Blickwinkel: den geschäftsführenden Komponisten) in den 1730er-Jahren, als die Konkurrenz, die unter...
