Dreamland: insolvent
Vielleicht ist die Spitze des Bleistifts, mit dem François-Xavier Roth an diesem Abend dirigiert, der Fluchtpunkt, jedenfalls das Kraftzentrum des Ganzen. Vielleicht hat er kurz zuvor mit eben diesem Stift noch Ausrufezeichen und das eine oder andere «Voilà!» in Humperdincks Partitur hineingeschrieben. Immerhin zählt er «Hänsel und Gretel» zu den am besten komponierten Opern des späten 19.
Jahrhunderts, und ebenso körpersprachlich engagiert scheint er dem Gürzenich-Orchester zu signalisieren: «Schaut, was er da macht! Toll!» Weich und warm und so leise wie möglich setzen die Blechbläser gleich mit dem «Abendsegen»-Choral ein, dann zart eingehüllt in dunklen Streicher-Samt. Roth nimmt Humperdincks zur durchschlagenden Wirkungslosigkeit eines Weihnachtsklassikers geratene Erfolgsoper, zwischen Wagner-, Märchen- und erfundenem und echtem «Volks»-Ton ganz ernst und sehr en détail, findet die schwierige Balance von Raffinesse und Schlichtheit. Das bekommt dem symphonischen Märchen bestens, und gleich der Anfang gerät schon fast zu schön, um wahr zu sein.
Ist es, sobald es szenisch los geht, dann auch nicht. Wir schauen auf die Reste eines offenbar insolvent gegangenen Vergnügungsparks ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
JUBILARE
Param Vir kam in Neu-Delhi zur Welt. Im Alter von neun Jahren begann er, Klavierunterricht zu nehmen und begeisterte sich für Musik. Als 14-Jähriger fing er an zu komponieren und lernte den deutschen, damals in
Delhi lebenden Komponisten Hans-Joachim Koellreutter kennen, der ihn in Kontrapunkt und Harmonielehre einführte und mit der Zwölftonmusik bekannt...
Diese Übersicht bietet eine Auswahl der bei Redaktionsschluss (13.1.) als Präsenzvorstellung geplanten oder als Stream angekündigten Premieren und Festivals des Monats Februar 2022. Weitere Informationen finden Sie auf den Websites der Häuser. Eine Liste mit Kontaktdaten gibt es online unter diesem Link: www.der-theaterverlag.de/serviceseiten/theaterlinks/
ML =...
Durch die Fensterfronten zucken die abendlichen Lichter des Alexanderplatzes. In der Raummitte zeigen Monitore, zu einem Altar aufgetürmt, flackernde Bilder von leeren Zuschauerreihen, Sängern und Darstellern in Aktion. Drumherum ein Schlagzeug, ein Kontrabass und ein Live-Elektronik-Set-up aus Laptop und Mischpult. Wie aus einer versunkenen Welt erschallen aus...
