Dreamland: insolvent
Vielleicht ist die Spitze des Bleistifts, mit dem François-Xavier Roth an diesem Abend dirigiert, der Fluchtpunkt, jedenfalls das Kraftzentrum des Ganzen. Vielleicht hat er kurz zuvor mit eben diesem Stift noch Ausrufezeichen und das eine oder andere «Voilà!» in Humperdincks Partitur hineingeschrieben. Immerhin zählt er «Hänsel und Gretel» zu den am besten komponierten Opern des späten 19.
Jahrhunderts, und ebenso körpersprachlich engagiert scheint er dem Gürzenich-Orchester zu signalisieren: «Schaut, was er da macht! Toll!» Weich und warm und so leise wie möglich setzen die Blechbläser gleich mit dem «Abendsegen»-Choral ein, dann zart eingehüllt in dunklen Streicher-Samt. Roth nimmt Humperdincks zur durchschlagenden Wirkungslosigkeit eines Weihnachtsklassikers geratene Erfolgsoper, zwischen Wagner-, Märchen- und erfundenem und echtem «Volks»-Ton ganz ernst und sehr en détail, findet die schwierige Balance von Raffinesse und Schlichtheit. Das bekommt dem symphonischen Märchen bestens, und gleich der Anfang gerät schon fast zu schön, um wahr zu sein.
Ist es, sobald es szenisch los geht, dann auch nicht. Wir schauen auf die Reste eines offenbar insolvent gegangenen Vergnügungsparks ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Holger Noltze
Frau Dreisig, ich nehme unser Interview mit meinem Smartphone auf. Ist das in Ordnung für Sie?
Natürlich. Ich lege mein Handy bei den Proben immer in den Zuschauerraum.
Um dann mit dem Mitschnitt nachzuarbeiten?
Genau. Nach der Probe höre ich alles an. Und dann weiß ich genau, wo ich bei der Intonation aufpassen muss oder wo ich zu kräftig war.
Sie haben...
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