Kasperletheater und Psychodrama
Es ist schon seltsam: Nie hat man sich so recht mit Keith Warners nachtschwarzem, symbolistischen «Lohengrin» anfreunden wollen – kaum wird er das letzte Jahr gezeigt, da kommt angesichts der verführerischen Sonnenfinsternis-Bilder fast so etwas wie Wehmut auf. Dabei hat sich an Warners statuarischer Personenregie über die Jahre kaum etwas geändert. Dafür wechselten Solisten wie Dirigenten mehrfach, und auch dieses Mal ist es keineswegs so, dass man über die Sänger uneingeschränkt jubeln könnte.
Peter Seiffert gelingt es freilich wieder, sich den Abend über bis zu einer fulminanten Gralserzählung zu steigern, bei der er dem Publikum zeigt: Ich kann’s noch höher, intensiver und schöner! Dagegen hatte es Petra-Maria Schnitzers Elsa, die Gattin des Gralsritters – im Leben wie auf der Bühne – schwerer, verliert doch die Stimme bei allzu heftigen Ausbrüchen an Substanz und Leuchtkraft des Timbres. Beim «bösen» Paar sind die Verhältnisse umgekehrt: Linda Watson – nächstes Jahr die Brünnhilde im neuen «Ring» – hat mittlerweile ihren ausladend hochdramatischen Sopran auch im Fortissimo der Höhe gut im Griff und singt als Ortrud ihren mehr intelligent deklamierenden als singend ...
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