Dramatische Eloquenz

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Am Cembalo spielt er Bach und Scarlatti, doch als Operndirigent hat es Christophe Rousset auf Raritäten abgesehen: Mit besonderer Vorliebe widmet sich der Franzose dem Musiktheater des Rokoko und verortet Ausgrabungen wie Tommaso Traettas «Antigona» und zuletzt an der Leipziger Oper Johann Christian Bachs «Temistocle» im Spannungsfeld zwischen später Opera seria, aufkeimender Empfindsamkeit und der orches­tral geprägten Opernreform Glucks.

Auch Niccolo Jommellis «Armida Abbandonata», die das französische Label Ambroisie jetzt auch in Deutschland veröffentlicht (zuvor war die 1994 entstandene Aufnahme lediglich kurze Zeit auf dem Eigenlabel der französischen fnac-Kette erhältlich), gehört in diese Reihe. Zu seiner Zeit galt der 1714, im gleichen Jahr wie Gluck, geborene Jommelli als Radikalreformer, der in seinen am Stuttgarter Hof entstandenen Musikdramen für eine Dramatisierung des vokalen Ausdrucks im Sinne einer expressiven Textdeklamation sorgte. Die 1770 für Neapel entstandene «Armida» bedeutet demgegenüber freilich einen gewissen Rückschritt: Dem dort noch unangefochtenen Primat der möglichst melodiösen und reich ornamentierten Gesangslinie musste sich auch Jommelli ...

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Opernwelt September/Oktober 2005
Rubrik: CDs, Seite 66
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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