Kaputte Herzen
Im immersiven Musiktheater liegt für Heinrich Horwitz immer auch eine Überforderung. Das Publikum, erklärt der Regisseur, werde aus der Komfortzone geholt, müsse sich selbst in der Aufführung verorten, nicht nur geistig, sondern auch körperlich einsteigen und eine eigene Perspektive suchen. Das koste Überwindung, biete aber die Chance einer eigenständigen Erfahrung: «Spielen Sie gern?», lautet die Frage, bevor am Staatstheater Darmstadt das Projekt «Freedom Collective» in Horwitz’ Inszenierung über die Bühne geht, die Zuschauer werden an Informationstischen empfangen.
Ein futuristisch gekleidetes Supporter-Team erklärt, wie man sich über sein Handy mit einer interaktiven Website verbinden kann: Ein QR-Code wird gescannt, und schon ist man Teil eines multimedialen Theaterexperiments. Beim Einlass werden Ohrstöpsel verteilt. Zu Beginn bewegen sich zwei Darstellerinnen desorientiert durch den Zuschauerraum und wischen ihre Hände ab, an denen Verkohltes haftet. Erst am Ende des Abends wird klar, dass hier die Schlussszene der Aufführung vorweg -genommen wurde: Zwei verlorene Gestalten taumeln nach exzessivem Drogenkonsum aus einem Gaming-Club.
An diesen sinistren Ort wird das Publikum ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Silvia Adler
Nicht nur stoische Menschen wissen es: Wer sich in Geduld fasst, erträgt die Zumutungen des Lebens umso leichter. Regisseur Dirk Schmeding lässt die Figuren in Puccinis «Il trittico» daher allesamt geduldig warten. Dazu setzt er sie zu Beginn in einen Glaskasten, ein schmuckloser Warteraum mit Wasserspender. Im ersten Teil darf darin sogar geraucht werden, im...
Die Verehrung einer alternden Frau für einen deutlich jüngeren Liebhaber wird noch heute, zumal vom männlichen Geschlecht, nicht selten süffisant belächelt. Zu Zeiten von Englands erster Langzeitkönigin – Elisabeth I. war zugleich letzter dynastischer Spross der Tudors – muss die Neigung mindestens boshafte Blicke ausgelöst haben. Fraglos kam da auch gemeines...
Ein Sturm im Wasserglas? Oder, um in der Terminologie des Stücks zu bleiben, eine Prüfung fürs Theater? Jedenfalls reisten Regisseur Marco Štorman und Bühnenbildner Demian Wohler knapp zwei Wochen vor der «Zauberflöten»-Premiere ab. Über die offenbar unüberbrückbaren Differenzen schwieg sich der Regisseur vielsagend aus. Und das Theater Freiburg führte die...
