Kaputte Herzen
Im immersiven Musiktheater liegt für Heinrich Horwitz immer auch eine Überforderung. Das Publikum, erklärt der Regisseur, werde aus der Komfortzone geholt, müsse sich selbst in der Aufführung verorten, nicht nur geistig, sondern auch körperlich einsteigen und eine eigene Perspektive suchen. Das koste Überwindung, biete aber die Chance einer eigenständigen Erfahrung: «Spielen Sie gern?», lautet die Frage, bevor am Staatstheater Darmstadt das Projekt «Freedom Collective» in Horwitz’ Inszenierung über die Bühne geht, die Zuschauer werden an Informationstischen empfangen.
Ein futuristisch gekleidetes Supporter-Team erklärt, wie man sich über sein Handy mit einer interaktiven Website verbinden kann: Ein QR-Code wird gescannt, und schon ist man Teil eines multimedialen Theaterexperiments. Beim Einlass werden Ohrstöpsel verteilt. Zu Beginn bewegen sich zwei Darstellerinnen desorientiert durch den Zuschauerraum und wischen ihre Hände ab, an denen Verkohltes haftet. Erst am Ende des Abends wird klar, dass hier die Schlussszene der Aufführung vorweg -genommen wurde: Zwei verlorene Gestalten taumeln nach exzessivem Drogenkonsum aus einem Gaming-Club.
An diesen sinistren Ort wird das Publikum ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Silvia Adler
Frau Kulman, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Bühnenauftritt?
Natürlich! Das war am 19. Dezember 2021 in Bamberg, ein Abend mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša. Das Haus war wegen Corona nur zu einem Drittel gefüllt. Ich habe ein eigenes Wunschprogramm gesungen und am Ende Mahlers «Wunderhorn»-Lied «Urlicht». Und dann war...
Als Daniel Ott und Manos Tsangaris 2016 die «Münchener Biennale für neues Musiktheater» übernahmen, gab es erst einmal ein großes Aufatmen. Nicht dass Peter Ruzicka, der unmittelbare Vorgänger, keine erfolgreiche Arbeit geleistet hätte. In seiner Ära brachte die Biennale einige Werke zur Uraufführung, die tatsächlich das leisteten, wonach Ruzicka stets suchte: die...
Mögen sie Humanität durch unblutigen Tod vorspiegeln wie immer sie wollen – Hinrichtungen sind mit den erreichten zivilisatorischen Standards nie je vereinbar. Auf der Bühne des Detmolder Landestheaters wird die von Staats wegen angeordnete Barbarei dennoch bis zur Harmlosigkeit herabgedimmt. Delinquent Joseph De Rocher findet sich auf einer gewöhnlichen...
