Klang der Heimat

Installativ, performativ,ernst: nicht nur Krimskrams bei der Münchener Biennale

Opernwelt - Logo

Als Daniel Ott und Manos Tsangaris 2016 die «Münchener Biennale für neues Musiktheater» übernahmen, gab es erst einmal ein großes Aufatmen. Nicht dass Peter Ruzicka, der unmittelbare Vorgänger, keine erfolgreiche Arbeit geleistet hätte. In seiner Ära brachte die Biennale einige Werke zur Uraufführung, die tatsächlich das leisteten, wonach Ruzicka stets suchte: die Erweiterung des Repertoires, eine Oper des 21. Jahrhunderts. Schon Biennale-Gründer Hans Werner Henze hatte Uraufführungen präsentiert, die sich bald als repertoirefähig herausstellten.

Ruzicka setzte das fort, ein bisschen borniert zuweilen, ein bisschen sehr ernst, aber mit zahlreichen Treffern.

Dann kamen Ott und Tsangaris, und alles wurde offen und leicht. Man begab sich an den Starnberger See oder in Gewächshäuser, in Privatwohnungen und teils auch an die angestammten Spielorte der Biennale, man traf auf oft wundersame, installative, performative, lustige Arbeiten. Der Werkbegriff wurde – nicht völlig, aber doch ziemlich profund – aufgelöst in ein Erleben im Moment. Zwei Ausgaben lang war das fabelhaft, dann kam Corona. Die Biennale 2020 musste auf ein Jahr gestreckt werden. Und nun? Man kann konstatieren, dass von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2024
Rubrik: , Seite 72
von Egbert Tholl

Weitere Beiträge
Wechselhafte Gefühle

Die Geschichte spielt in vorchristlicher Zeit, und sie ist so abenteuerlich, so absurd, dass man heftig das Haupt schütteln müsste, wüsste man nicht um den Erfindungsreichtum jenes Mannes, der sie niederschrieb: Pietro Metastasio bewies auch mit «Alessandro nell’Indie» auf Racines Tragédie «Alexandre le Grand» aus dem Jahr 1665 (die wiederum ihre frühen Quellen bei...

Kaputte Herzen

Im immersiven Musiktheater liegt für Heinrich Horwitz immer auch eine Überforderung. Das Publikum, erklärt der Regisseur, werde aus der Komfortzone geholt, müsse sich selbst in der Aufführung verorten, nicht nur geistig, sondern auch körperlich einsteigen und eine eigene Perspektive suchen. Das koste Überwindung, biete aber die Chance einer eigenständigen...

Schwarze Wasser

Das Bild, man kann es nicht anders sagen, ist trostlos. Einsam und verlassen, im eleganten, schwarzglitzernden Kleid, die Haare halbhoch getürmt, hockt Katerina Ismailowa in der Dunkelheit vor dem Hintereingang eines Varieté-Theaters, begleitet nur vom elegischen Gesang der Soloklarinette, von sehnsüchtigen Violinen und zarten Flötenterzen, so als habe das Leben...