«La femme, c’est moi»
Frau Kulman, erinnern Sie sich noch an Ihren letzten Bühnenauftritt?
Natürlich! Das war am 19. Dezember 2021 in Bamberg, ein Abend mit den Bamberger Symphonikern unter der Leitung von Jakub Hrůša. Das Haus war wegen Corona nur zu einem Drittel gefüllt. Ich habe ein eigenes Wunschprogramm gesungen und am Ende Mahlers «Wunderhorn»-Lied «Urlicht». Und dann war Schluss.
Sind Sie nun eine gewesene Sängerin?
Ja, es fühlt sich schon ein bisschen so an.
Allerdings habe ich noch viele Kontakte zu befreundeten Künstlerinnen und Künstlern, die wissen, was in unserem «Job» schiefgelaufen ist – und nach wie vor schiefläuft. Auch nehme ich weiterhin Anteil an dem, was Sängerinnen und Sänger im Opernbetrieb erleben. Die Missstände, die zu meinem Ausstieg geführt haben, sind ja nach wie vor nicht behoben; viele meiner Kolleginnen und Kollegen sind damit weiterhin konfrontiert. In diesem Sinn fühle ich mich ihnen eng verbunden. Aber ich selbst verspüre überhaupt keine Sehnsucht, wieder auf die Bühne zu gehen. Ich bin wohl immer noch ein bisschen traumatisiert.
Was konkret hat Sie traumatisiert?
Ich bin ein Mensch, der sich sehr genau beobachtet. Wenn ich mir Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne ...
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Opernwelt Juli 2024
Rubrik: Interview, Seite 38
von Jürgen Otten
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