Kampf der Kulturen
Seinen Kollegen Georg Wilhelm Friedrich Hegel sanft korrigierend, stellte auch Karl Marx fest, dass sich alle weltgeschichtlichen Tatsachen zweimal ereigneten, allerdings «das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce». Mit Blick auf den Antisemitismus, seine Wiederholungen und seine grausige Radikalisierung im Massenmord des Holocaust bleibt einem die Sentenz im Halse stecken. Und doch kommt man nicht umhin, sie zu zitieren, nachdem David Alden nun in Genf «La Juive» auf die Bühne des Grand Théâtre gehievt hat.
Librettist Eugène Scribe und Komponist Fromental Halévy thematisieren in ihrer Grand opéra kurz nach der französischen Juli-Revolution von 1830 den Kampf der Kulturen zwischen jüdischer Minderheit und katholischer Mehrheitsgesellschaft. Da herrschte in Paris gerade eine eher zivilisierte Liberalität. Unter Bürgerkönig Louis-Philippe erhielten französische Juden bürgerliche Rechte. Und doch erzählen die Werkschöpfer von jener Pogromstimmung, die als unterschwellige Gewalt der Christenmenschen alsbald in brutale Lynchjustiz an ihren jüdischen Nachbarn umkippen kann. Sie verlegen die Vorgänge ins schon zu ihrer Zeit ferne Spätmittelalter des Konzils von Konstanz im Jahr ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Peter Krause
Anfangs macht Jeanne noch vergnügt Selfies mit ihrem neuen Verehrer, dem Maler René: Dessen Operettentenor-Emphase findet sie süß. Dann lebt sie in jungem Glück mit ihm in einer Mansarde, verprasst jedoch bald das karge Haushaltsgeld. Nach der Trennung landet sie als Sängerin beim Varieté, wo sie mit Mühe einer Vergewaltigung entgeht, bevor ein reicher Galan sie...
Vorab die Frage der Fassung: Modena, 1886. Eine kluge Wahl. Denn Modena war Verdis letztes Wort in einer (siebenteiligen) Causa, die komplizierter klingt als sie ist. Den (fünfaktigen) «Don Carlos» schrieb er für Paris und die dortigen Usancen, den (vieraktigen) «Don Carlo» für sein Heimatland. Dass die italienische Version vorzuziehen ist, lässt sich in jeder...
Es ist wie so oft, wenn aus Weltliteratur große Oper wird. Ein, zwei Adaptionen setzen den Standard und etabilieren sich im Repertoire, der Rest fällt durchs Raster. Verdi etwa hat mit seinem Bühnenabschiedswerk «Falstaff» die gleichnamige Shakespeare-Figur derart meistergültig auf den Begriff gebracht, dass – von Otto Nicolais «Lustigen Weibern von Windsor» einmal...
