Ein großer Spaß
Es ist wie so oft, wenn aus Weltliteratur große Oper wird. Ein, zwei Adaptionen setzen den Standard und etabilieren sich im Repertoire, der Rest fällt durchs Raster. Verdi etwa hat mit seinem Bühnenabschiedswerk «Falstaff» die gleichnamige Shakespeare-Figur derart meistergültig auf den Begriff gebracht, dass – von Otto Nicolais «Lustigen Weibern von Windsor» einmal abgesehen – auf den Spielplänen kein Platz blieb für andere Vertonungen des Stoffes.
Die es bei diesem Archetypen des genusssüchtigen, sich und seine Verführungskünste heillos überschätzenden Schürzenjägers freilich gibt. Man muss allerdings Mut und Enthusiasmus aufbringen, zu Unrecht Vergessenes fürs Publikum wiederentdecken zu wollen.
Am Eduard-von-Winterstein-Theater in Annaberg-Buchholz hat man beides: In der vergangenen Spielzeit sorgte die Ausgrabung von Ralph Benatzkys «Der reichste Mann der Welt» für überregionales Aufsehen, was prompt mit einem «Operetten-Frosch» der BR-Klassik-Redaktion prämiert wurde. Eine DVD-Produktion des Stücks wird folgen. An diesen Überraschungscoup wollte man zur Spielzeiteröffnung anknüpfen – mit «Falstaff» von Michael William Balfe, 1838 in London uraufgeführt, also ganze 55 Jahre ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: Panorama, Seite 52
von Werner Kopfmüller
Wenn die Schmuggler zu Beginn des dritten Akts auf einer wackligen Hängebrücke, umgeben von grobflächig bemalten Gebirgskulissen, so tun, als könnten sie ihre heiße Ware nur mit größter Mühe über die Berge hieven, denkt man unweigerlich an die Stummfilmästhetik von vor hundert Jahren. Mithin an jene Filmkomödien, in denen ein Buster Keaton todesmutig in...
Vorab die Frage der Fassung: Modena, 1886. Eine kluge Wahl. Denn Modena war Verdis letztes Wort in einer (siebenteiligen) Causa, die komplizierter klingt als sie ist. Den (fünfaktigen) «Don Carlos» schrieb er für Paris und die dortigen Usancen, den (vieraktigen) «Don Carlo» für sein Heimatland. Dass die italienische Version vorzuziehen ist, lässt sich in jeder...
Die Revolution in Frankreich 1789 war auch eine der Oper. Erstmals wurden politische Tagesereignisse auf die Bühne gebracht, ohne mythologische oder komödiantische Verkleidung. Die zwischen 1792 und 1794 entstandenen Revolutionsopern von Grétry, Gossec und Méhul dienten unverhohlen der republikanischen Propaganda, die allerdings schon bald unter Napoleon nicht mehr...
