Kabinettstück
Die Frage nach dem feurigen Engel ist keine, die durch Magie, Wissenschaft oder Theologie beantwortet werden kann. Er ist Symbol, genauer: projizierter Fixstern im jungen Leben Renatas. In Kindertagen war er ihr (einziger?) imaginierter Spielkamerad, in der Pubertät mutierte er zum angstbesetzten, unkontrollierbaren Zerrbild körperlicher Begierden. Dämonisierte Sexualität also, die wie ein Irrlicht in ihrer Seele flackert und Renata im realen Leben zu einem zerrissenen, liebesunfähigen Wesen macht.
Regisseurin Emma Dante findet für dieses zentrale Symbol in Prokofjews musiktheatralischem Vermächtnis eine kongeniale Lösung: ein koboldhaft kostümierter Breakdancer (Alis Bianca) verkörpert Renatas Seelenleiden durch verspielte Agilität, vitalisierende Erotik, abrupte physische Bedrängnis und Entzug. Damit ist er Wunsch- und Gegenbild zu ihrem biederen Rock, der Rüschenhaube, den weiten, den Körper zum Verschwinden bringenden Roben der sakralen Uniformierung im finalen Klosterbild. So eindeutig das Detail, so doppelbödig ist die szenische Komposition: Kostüme und Bühnenbild evozieren zwar historisches Kolorit, zitieren Merkmale eines progressiven, doch verunsicherten 16. Jahrhunderts, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Richard Erkens
Eine bunte, mondäne Badegesellschaft bespaßt sich an einem Swimmingpool, während etwas abseits mit zerquältem Gesichtsausdruck eine Männergestalt herumstapft, die in ihrem braunen Cordsamtanzug nicht im Geringsten zu dem kapriziösen Freibadambiente passen will, offensichtlich aber gern bei der Party dabei wäre. In tosender Verzweiflung glaubt sich dieser...
Dass die Kunstfestspiele Herrenhausen zu sehr im Abseits lägen und zu Abseitiges böten, war eine bei konservativen Kulturfreunden beliebte Nörgelei, als sie vor zehn Jahren in die erste Mai-Runde gingen. Doch bald zeigte sich, dass auch in Hannover und Umgebung die Fans des Neuen keinen Weg scheuen und dass das barocke Ensemble zehn Straßenbahnminuten vom Zentrum...
Herr Farnes, es ist ja recht still um Sie. Ihr Agent meinte, Sie gäben nicht gern Interviews.
Ach, wenn jemand mit mir sprechen möchte, helfe ich gern aus. Aber es stimmt, Selbstvermarktung ist mir unangenehm. Vielleicht bin ich auch einfach nicht ehrgeizig genug.
Wenn Ihnen Ruhm so wenig bedeutet: Wonach suchen Sie stattdessen?
Nach Zufriedenheit.
Wovon hängt...
