Kabarett im TV-Format

Toulouse: Weill: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

Die französische Übersetzung des deutschen Titels klingt ungemein pompös: «Grandeur et Décadence de la ville de Mahagonny». Grandeur, Décadence, man könnte denken, es handle sich um den Untergang eines Adelsgeschlechts oder das Ende des napoleonischen Staates. Stimmt aber nicht. Am Théâtre du Capitol in Toulouse ist das bekannte Stück von Brecht und Weill zu sehen, sogar in deutscher Sprache mit französischen Übertiteln, die sehr gut zu lesen sind und liebevoll auch die Ensemble-Texte nach Personen ordnen.

Auch springt immer wieder ein Kommentator zwischen den Szenen an die Rampe und annonciert zweisprachig das jeweils Folgende. Gut gemacht.

Die Inszenierung Laurent Pellys stand vor dem Problem, vor dem alle Regisseure bei diesem Stück stehen: Wie soll ich es anstellen? Frech-fröhlich, grimmig-bösartig, verzerrt bis zur Verfratzung, obzön, historisch oder aktuell? Für alles existieren Vorbilder. Laurent Pelly schielt auf Gegenwart und Fernsehen. Herabschwebende Lichtrahmen in verschiedenen Formaten suggerieren den TV-Bildschirm. Dahinter tauchen dann die bekannten Spielszenen auf. Die Gründung der Stadt zwischen zwei Autobahnleitplanken – die Autobahn einschließlich Live-Mobil auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Gerhard Rohde

Weitere Beiträge
Im Zwiespalt

Im Genfer Programmheft sieht man die Sängerinnen der Elektra wie auf einer Perlenschnur aufgereiht – wenn die zarte Metapher für die Schwergewichte vergangener Tage überhaupt zulässig ist. Annie Krull, die den monströsen Part für die Dresdner Uraufführung in wenigen Wochen lernen musste, mit wirren Haaren; Zdenka Faßbender, die erste Münchner Elektra, mit bösem...

Belcanto im Dienste des Ausdrucks

Nach «Guillaume Tell» (1829) hat Rossini bekanntlich keine Opern mehr geschrieben und sich ins Privatleben zurückgezogen. Er fühlte sich künstlerisch ausgebrannt und wurde von verschiedenen Krankheiten geplagt. In den fast vier Jahrzehnten, die ihm noch zu leben blieben, betrieb er das Komponieren nur noch als Liebhaberei, schrieb neben geistlicher Musik zahlreiche...

TV-Klassiktipps

ARD
1.1. – 10.00 Uhr
Neujahrsgala.
Festspielhaus Baden-Baden. SWR-Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, Asher Fisch. Solisten: Anja Harteros, Jonas Kaufmann. Arien und Duette von Verdi, Cilea, Puccini und Catalani.

ARTE
1.1. – 1.50 Uhr
Christmas in Vienna.
Weihnachtsgala aus dem Konzerthaus in Wien 2010. ORF-Symphonieorchester Wien, Wiener Singakademie und Wiener...