Iphigenies Axt
Schwierig, diese Mythen. Wollen uns Nachgeborenen immer gleich die ganze Welt erzählen, verschweigen, verwirren. Deuten an, damit wir, die Ausdeuter, deutlich werden können – so wir wollen. Denn natürlich kann man sich naiv stellen, einen Mythos einfach abbilden, sich dann in seiner Verwirrtheit zurücklehnen; sollen andere sich bemühen, sich kümmern, sollen sie sehen, was sie damit anfangen können.
Oder: Man gibt sich versöhnlich, übergibt die Verantwortung dem Deus ex Machina, er wird es schon richten, die Versammelten ans Licht führen; lieto fine heißt der schmucke, bildungsbürgerliche Ausdruck. Und welche Gattung ließe sich besser einkleiden mit einem solchen liebreizenden Ende als die der Affirmation zuneigende Oper des Barock?
Händels Pasticcio «Orest», zusammengeflickt aus sage und schreibe neun Opern des Meisters, mit einem Libretto von Giovanni Gualberto Barlocci versehen und im Dezember 1734 zu London uraufgeführt, macht da eine kleine, erstaunliche Ausnahme. Nichts ist es mit dem behaglichen Ende, mit dem Sonnenstrahl, der alles und alle blendet. Nein, dieses Opernfragment nimmt sich qua Titelfigur jenen Iphigenie-Stoff vor, der den Mörder als Mörder belässt: Orest ...
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«I love you!» – Wenn Gustav Aschenbach dieses Bekenntnis seines Begehrens für den schönen jungen Tadzio am Ende des ersten Teils von Benjamin Brittens letzter Oper «Death in Venice» singt, dann ist das in der Frankfurter Erstaufführung ein Moment höchster Intimität und zugleich größtmöglicher Einsamkeit. Spots bringen Gesicht und das Weiß der Anzüge von Kim Begley...
Als die Nazis Richard Tauber aus Deutschland vertrieben hatten, standen da schon zahlreiche Tenöre in den Startlöchern, seine Nachfolge als Operettenkönig anzutreten. Interessanterweise versuchten alle – voran Herbert Ernst Groh, Marcel Wittrisch, Karl Friedrich –, seinen Vortragsstil nachzuahmen. Die Tauber-Träne begegnet uns in den Aufnahmen der dreißiger und...
Katharina die Große, die diese Buffa in Auftrag gegeben hatte, war entzückt davon und ließ sie sich immer wieder vorspielen. Von Petersburg aus, wo sie 1779 ihre Uraufführung erlebten, kamen die «Astrologi immaginari» durch halb Europa. Joseph II., auch er ein Bewunderer, brachte sie nach Wien, wo sie 1781 unter dem Titel «Die eingebildeten Philosophen»...
