«Isolde ist für mich einfach das Größte»

Als Senta triumphierte sie an der Met, ihre Isolde wurde in Glyndebourne bejubelt. Und jetzt will Nina Stemme auch den Grünen Hügel erobern: Als Isolde in Christoph Marthalers neuem «Tristan» wird die schwedische Sopranistin eine weitere Stufe ihrer spektakulären Karriere erklimmen. Mit Jörg Königsdorf sprach sie über ihren Weg zur Oper, über die Frauenfiguren Richard Wagners und das Verhältnis von Kalkulation und Spontaneität beim Singen.

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Frau Stemme, bevor Sie Opernsängerin wurden, haben Sie in Ihrer Heimatstadt Stockholm Volks- und Betriebswirtschaft studiert. Prägt Sie die ökonomische Denkweise, das genaue Kalkulieren und Disponieren, auch heute noch?
Sicher, im übergeordneten Sinne schon. Erstens lernt man dort, dass sich die Wirklichkeit nun einmal nicht exakt kalkulieren lässt – denken Sie an den letzten Börsenkrach. Und zweitens lernt man, immer das große Ganze im Blick zu haben.

Für mich besteht Oper aus großen Zusammenhängen und kleinen Teilen, die diese Energien übertragen und wirksam machen, ähnlich wie sich in einer Volkswirtschaft die verschiedenen Faktoren gegenseitig beeinflussen. Wenn ich auf der Bühne stehe, weiß ich, dass ich ein kleines Rad in diesem Getriebe bin. Aber kleine Räder können ja manchmal viel bewirken.

Die Marguerite, die sie vor kurzem in Frankfurt gesungen haben, war ein Musterbeispiel ökonomischen Singens – mit einer bis ins Detail dosierten Dynamik. Geht die Erfassung einer solchen Opernfigur bei ihnen vor allem über den Kopf?
Nein, natürlich nicht, schon beim Studieren der Partie läuft da vieles intuitiv, und die Abstimmungen im Probenprozess beeinflussen meine Vorstellungen von ...

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Opernwelt Juli 2005
Rubrik: interview, Seite 40
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
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