Irrsinnsglück
Nein, diese Oper hat keinen guten Ruf. Was natürlich auch mit ihrem Genre zusammenhängt. 1842 schrieb Gaetano Donizetti seine «Linda di Chamounix» für das Wiener Kärntnertortheater, das damals von einem Italiener geleitet wurde. Und der wollte gern die Triumphe wiederholen, die vorher Rossini in der Habsburgerhauptstadt gefeiert hatte. Deshalb vielleicht wurde die Handlung in den Alpen angesiedelt, und Donizetti wählte die biedermeierlich moderne Form des melodramma semiserio.
Das ist uns mit seinen Sentimentalitäten und Unwahrscheinlichkeiten um eine meist verfolgte Unschuld und mit der Auflösung aller Intrigen in einer tränenreichen Wiedererkennungsszenerie völlig ferngerückt. Trotzdem verschwand die zunächst erfolgreiche «Linda» – anders als die meisten anderen der über 70 Donizetti-Opern – nie ganz aus dem Repertoire, wurde sogar lange vor dessen Renaissance erstmals eingespielt (in den Fünfzigern) und immer wieder für die eine oder andere Koloraturdiva, etwa Edita Gruberova, hervorgeholt.
Ein Sängerinnenvehikel also. Und so wurde das Stück auch meist präsentiert: ein wenig lustlos, Startheater für Nachtigallensüchtige. Diana Damrau, Ihr Auftritt bitte. Nach der jüngsten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Manuel Brug
Als Kassenfüller scheint sich das Stück nicht so recht zu eignen. In Saarbrücken verlieren sich 250 Besucher in der Donnerstagsvorstellung, tags drauf in Hannover ist der Saal bestenfalls halbvoll – trotz jeweils guter Besprechungen. Dass «Ariadne auf Naxos» bei Kritikern beliebter ist als beim Publikum, mag mit der Struktur der Oper zusammenhängen. Der Kunstsinn,...
Minnie reitet wieder. Auf einer Leinwand prescht sie durch die Prärie, während im Orchestergraben wilde Fortissimo-Arpeggien tosen, zwischen Dur und Moll changierende Akkorde, gefolgt von fallenden Ganztonketten. Die kurze Introduktion zu Puccinis «La fanciulla del West» als Vorspann wie zu einem Stummfilm-Western mit Live-Musik. Dann schwingt sich die Titelheldin...
Unser Georg. Unser Theater. Unsere Hofkapelle. Die Wolken hängen tief über Meiningen, die Luft ist feucht, Nieselregen, Graupelschauer. Auf dem Markt wummert Volksmusik, es riecht nach Glühwein und frisch geschlagenen Tannen. In der Ratsstube ist die Küche bereits «aus», aber hinter den Christbäumen gibt’s noch was, beim Italiener im «La voglia». Die Zahl der Gäste...
