Irrsinnsglück

Diana Damrau und Juan Diego Flórez veredeln in Barcelona Donizettis «Linda di Chamounix»

Nein, diese Oper hat keinen guten Ruf. Was natürlich auch mit ihrem Genre zusammenhängt. 1842 schrieb Gaetano Donizetti seine «Linda di Chamounix» für das Wiener Kärntnertortheater, das damals von einem Italiener geleitet wurde. Und der wollte gern die Triumphe wiederholen, die vorher Rossini in der Habsburgerhauptstadt gefeiert hatte. Deshalb vielleicht wurde die Handlung in den Alpen angesiedelt, und Donizetti wählte die biedermeierlich moderne Form des melodramma semiserio.

Das ist uns mit seinen Sentimentalitäten und Unwahrscheinlichkeiten um eine meist verfolgte Unschuld und mit der Auflösung aller Intrigen in einer tränenreichen Wiedererkennungsszenerie völlig ferngerückt. Trotzdem verschwand die zunächst erfolgreiche «Linda» – anders als die meisten anderen der über 70 Donizetti-Opern – nie ganz aus dem Repertoire, wurde sogar lange vor dessen Renaissance erstmals eingespielt (in den Fünfzigern) und immer wieder für die eine oder andere Koloraturdiva, etwa Edita Gruberova, hervorgeholt.

Ein Sängerinnenvehikel also. Und so wurde das Stück auch meist präsentiert: ein wenig lustlos, Startheater für Nachtigallensüchtige. Diana Damrau, Ihr Auftritt bitte. Nach der jüngsten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Manuel Brug

Weitere Beiträge
Popcorn-Oper

An der Final-Frage hatten auch die Münchner zu beißen. Franco Alfanos nachkomponiertes «Turandot»-Ende komplett oder (wie fast immer) gekürzt? Oder doch die Version von Luciano Berio aus dem Jahr 2002? Bayerns Staatsoper versuchte es immerhin während der Proben. Carlus Padrissa inszenierte die letzten zehn Minuten nach der Alfano-Digest-Variante – und man...

Suche nach dem roten Faden

Als Kassenfüller scheint sich das Stück nicht so recht zu eignen. In Saarbrücken verlieren sich 250 Besucher in der Donnerstagsvorstellung, tags drauf in Hannover ist der Saal bestenfalls halbvoll – trotz jeweils guter Besprechungen. Dass «Ariadne auf Naxos» bei Kritikern beliebter ist als beim Publikum, mag mit der Struktur der Oper zusammenhängen. Der Kunstsinn,...

Und auf einmal ging es steil bergauf

Das konnte nur anders, nur besser werden. Der Blick ins Archiv ruft geradezu grauslige Erinnerungen wach. 1971/72: erst Wagners «Tristan», vom einst großen Titelsänger Wolfgang Windgassen als Regisseur schmählich vertan, dann Gounods «Roméo et Juliette», auf der Szene desaströs vermurkst. Beide Male mit einem älteren Kapellmeister am Pult, der den Geist der Werke...