Irrgarten der Liebe
Worin liegt das Geheimnis der ungebrochenen Wirkung von Mozarts drei Da-Ponte-Opern? Vor allem wohl in dem ungeschminkten Menschenbild, das Librettist und Komponist im Zusammenklang von Wort, Gesang, Szene und Musik entworfen haben. «Konflikte» – so Ivan Nagel über die funkelnde Theatralität dieser Partituren – «dürfen hier wie nie zuvor, nie seither, sich real vollständig statt ideologisch verstümmelt zeigen».
Mozart durchtränkt den Konflikt der umhertaumelnden Geschlechter, der im Zentrum aller drei Stücke steht, mit einer aktionshaltigen Musik, die einerseits der szenischen Architektur dient, andererseits mit ihrem Formbewusstsein wie ihrer Dynamik die Prinzipien der klassischen Instrumentalmusik in den Dienst des Theaters stellt.
Die Nederlandse Opera hat in einem wahren Premierenmarathon die drei Stücke an drei aufeinanderfolgenden Tagen präsentiert. Der Vergleich zu Wagners «Ring» drängt sich auf, umso mehr, als die Stücke, in denen bereits die französische Revolution wetterleuchtet, innerhalb von vier Jahren entstanden sind. «Figaro», «Don Giovanni» und «Così» stellen allerdings keine zusammengehörige Trilogie dar, und Jossi Wieler und Sergio Morabito haben erst gar nicht ...
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Mit der zweiten Premiere der Saison, dem «Barbiere di Siviglia», ist dem neuen General Manager der Met, Peter Gelb, nach der ständig ausverkauften neuen «Butterfly» in der Inszenierung Anthony Minghellas ein weiterer Coup gelungen: Für die erste Aufführungsserie waren bereits am Tag nach der Premiere keine Karten mehr zu bekommen – bei Preisen bis zu 375 Dollar...
Die Wiener Staatsoper sei kein Haus wie jedes andere, meint Direktor Ioan Holender im Booklet dieser Aufnahmen. Unbestritten – wenngleich zwischen den Zeilen von Holenders Statement jene Führungsrolle mitschwingt, die Wien in der Musik- und Opernwelt gern beansprucht, die man aber in Berlin, London, Mailand, New York, Paris, auch München wahrscheinlich nicht...
Jenes zweigestrichene C, das Rodolfo im ersten Bild der «Bohème» gleich zweimal treffen muss, machte Luciano Pavarotti bekanntlich zum Angelpunkt der Partie, wenn nicht des ganzen Stücks. Gingen die Spitzentöne der Arie «Che gelida manina» und des Finalduetts «O soave fanciulla» daneben, sei der Rest im Grunde schon vergebliche Liebesmüh. Allein, hier irrt Big P.,...
