Der Riesenvogel hebt ab
Noch stehen ein paar Bauzäune um Santiago Calatravas «Palau des les Arts Reina Sofía» in Valencia. An Maschengittern hängen große Plakate, darauf ein Mädel im Biedermeier-Kostüm, energisch die Arme ausbreitend: «Shhhh ... comienza la ópera». Also doch. Vor einem Jahr, bei der «offiziellen Eröffnung» mit einem Galakonzert, konnte bloß ein kurzer Blick in jene Zauberkiste geworfen werden, die für Gegner des Projekts eher eine Büchse der Pandora ist (davon später). Aber nun ging’s endlich los mit der Oper.
Das Opernhaus ist die jüngste Perle, die sich Valencia aufs Kostüm seiner Ciudad de las Artes y Ciencias genäht hat: ein Abenteuerpark für Künste und Wissenschaften quasi, angelegt im ehemaligen Flussbett des (seit einigen Jahrzehnten umgeleiteten) Turia. Promenaden, Parks, künstliche Seen, dazu neben dem Kunstpalast das Museum der Wissenschaften, das Planetarium, ein IMAX-Kino und das Oceanográfico, Europas größter Meerestierpark – Letzterer als einziger Bau dieses Ensembles nicht von Calatrava, sondern von Felix Candela.
Der Palau gefällt sich in weißem Beton, Keramik, Glas und Stahl mit geschwungenen, schwerelosen Formen – stete Bewegung suggerierend, als könne das Gebilde jeden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Schon vor Beginn der Händel-Renaissance hatte dessen «Giulio Cesare» einen (Außenseiter-)Platz im Repertoire. Unterdessen muss man von einem Boom sprechen. Der «Cesare» dürfte die meistgespielte Barockoper sein, eine Spielwiese nicht nur für Gesangsvirtuosen, sondern auch für Regisseure. Diesen Eindruck vermitteln drei Produktionen aus Glyndebourne, Barcelona und...
Verdis «Simon Boccanegra», ein Meisterwerk, war in Berlin seit über zwanzig Jahren nicht zu sehen. Weder Giancarlo del Monacos Vorgängerinszenierung (unter Giuseppe Sinopoli) noch Claudio Abbados konzertanter Einsatz mit den Berliner Philharmonikern konnte dem Werk dauerhaft nützen. Lorenzo Fioroni, der bisher in Münster und Kassel hervorgetreten ist, inszeniert...
Wenn es stimmt, dass hinter jedem kreativen Kopf das pralle Leben steht, dann ist der Stilpluralismus des Komponisten Osvaldo Golijov wohl vor allem das Ergebnis einer Vita am Schnittpunkt zahlreicher verschiedener Kulturen. 1960 als Kind jüdischer Einwanderer aus Osteuropa in Argentinien geboren, verbrachte Golijov einige Jahre in Israel, um – nach einem...
